Emelie Deymann, Containershuttle
© Port of Stockholm
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Der Harener Reeder Martin Deymann wagt sich nach Schweden und startet dort den landesweit ersten Containershuttle auf einer Binnenwasserstraße. Schon die Überfahrt war ein »Abenteuer«, jetzt müssen ausreichend Kunden überzeugt werden. Von Krischan Förster

Schon die Überfahrt war ein »Abenteuer«. Dass ein Binnenschiff über die offene Nord- und Ostsee fährt, kommt eher selten vor. Und in den Schären rund um Stockholm war ein Frachter wie die »Emelie Deymann« auch noch nie zu sehen. Doch der Harener Reeder Martin Deymann schlägt jetzt ein neues Kapital für sein Unternehmen auf und bietet künftig den ersten Container-Shuttle-Dienst auf einer Binnenwasserstraße in Schweden an. Am 1. Juni ging es los.

Die rund 120 sm lange Route führt das 110 m lange Deymann-Schiff, das bislang ausschließlich auf dem Rhein unterwegs war, während einer zwölfstündigen Fahrt vom Containerterminal Stockholm-Norvik durch felsige Küstengewässer weiter über den Mälarsee bis in den Hafen von Västerås (siehe Karte). Zwei wöchentliche Abfahrten sind vorerst geplant.

Für die Fahrt durch bislang unbekanntes Revier wurde die »Emelie Deymann« technisch aufgerüstet, unter anderem mit zusätzlichen Rettungs- und Signalmitteln. Außerdem musste der Trockenfrachter für den Einsatz in den schwedischen Schären klassifiziert werden. Bei den Fahrten müssen Vorgaben beim Freibord und Tiefgang eingehalten werden, Wind und Wellen dürfen bestimmte Werte nicht überschreiten, bis die Besatzung die erforderliche Eignung erlangt hat, besteht eine Lotsenpflicht. »Das ist schon alles etwas anders als auf dem Rhein«, so Deymann.

Er lässt sich das schwedische »Abenteuer« einiges kosten, unter anderem für die Zertifizierung, die Überfahrt, die Zusatzausrüstung. Die Behörden in Schweden hatten zwar bereitwillig zum Gelingen des Projekts beigetragen. So sei das Fahrwasser zum Teil neu betonnt und die küstennahe Strecke in eine Zone 2-Wasserstraße umgewidmet worden. Auch wird der Binnenschiff-Shuttle von lokalen Politikern und den Medien als Beitrag zur Klima- und Verkehrswende gefeiert, weil jede Fahrt der »Emelie Deymann« (Kapazität 208 TEU) rund 200 Lkw von den Straßen nimmt. Eine Anschubfinanzierung oder aber eine Förderung gab es jedoch nicht, »wir machen das auf eigenes Risiko«, sagt Deymann.

Der Harener Reeder hatte sich immer schon als unternehmungslustig und innovationsbereit gezeigt. Als ihn im vergangenen Oktober eine E-Mail mit der Frage erreichte, ob er sich ein Engagement in Schweden vorstellen könne, fuhr er kurzerhand nach Stockholm und schaute sich das Revier, das er zuvor nur von privaten Urlaubstörns kannte, noch einmal genauer an, führte Gespräche mit Behörden und potenziellen Kunden und entschied: »Das versuchen wir mal.«

Potenzial gibt es. Der Seehafen Stockholm-Norvik versorgt die größte Verbraucherregion Schwedens. Aus Västerås gehen wöchentlich bis zu 1.000 Container dorthin. Konsumgüter und Industriematerialien in die eine Richtung, Exportgüter wie Schnittholz, Kartons, Maschinen und Zellstoff in die andere. »Die Binnenschifffahrt bietet uns eine Chance für effizientere Transporte«, betonte Fredrik Lindstål, Verwaltungsratschef der Stockholmer Häfen, beim offiziellen Start des Shuttles.

Doch nun müssen ihm auch die Kunden folgen. Eine 50 %-ige Auslastung des Schiffes wird für einen wirtschaftlichen Betrieb des Dienstes mindestens gebraucht, »wir hoffen natürlich auf mehr«, sagt Deymann, der vor Ort mit Barge Transport Sweden (BTSA) kooperiert. »Wir müssen den Kunden jetzt erst einmal beweisen, dass es auch funktioniert«, ahnt er. Seine Leute musste er dagegen nicht überzeugen: Die Stammbesatzung des Schiffes ist vom Rhein nach Schweden gewechselt. »Die freuen sich riesig über die neue Aufgabe.«