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Auf der Schiffswerft Hermann Barthel in Derben läuft das innovative Elektro-Schubboot mit Brennstoffzellen-Antrieb vom Stapel. Nach der Endausrüstung soll die »Elektra« in ihren Heimathafen Berlin überführt werden und in die Erprobung gehen

Der Schiffskörper ist fertig, das hochfahrbare Stulpsteuerhaus ist aufgesetzt, die Klimatechnik mit den zugehörigen Wärmepumpen ist installiert, die Brennstoffzellen sind an Deck, der Schaltraum ist eingerichtet und der Batterieraum ist mit ca. 250 Modulen mit einem Gewicht von mehr als 20 t bestückt. Die »Elektra« schwimmt und wird am Kai der Barthel-Werft jetzt weiter ausgerüstet und eingerichtet.

Die bisherigen Arbeiten an dem innovativen Neubau erfolgten größtenteils auf engstem Raum und unter schwierigen Bedingungen, heißt es in einer Mitteilung der Behala. Eine der größten Herausforderungen sei dabei die Verkabelung der elektrischen Komponenten, der Energieerzeuger und Verbraucher sowie der Überwachungs- und Steuerungstechnik gewesen. Von dünnen Datenleitungen bis hin zu armdicken Stromleitungen wurden über das ganze Schiff verteilt fast 2 km Kabel verlegt – das sei eine neue Dimension im Schiffbau.

Im Steuerhaus werde jetzt weitergebaut, der Steuerstand installiert und die Wohnung eingerichtet. Es fehle auch noch das Wasserstofftanksystem zur Versorgung der Brennstoffzellen.

Im Juni beginnen die Inbetriebnahmen der einzelnen Anlagen und des gesamten Energiesystems auf der Werft. Die Prüfungen und Abnahmen durch Sachverständige, Gutachter und die Untersuchungskommission der WSV würden den Bau- und Inbetriebnahmeprozess abschließen. Sollte alles nach Plan laufen, kann die »Elektra« Ende August in den Heimathafen Berlin Westhafen überführt werden.

In Berlin werden dann die Fahrten in unterschiedlichen Schubverband-Konfigurationen stattfinden. Das endgültige Schiffsattest bzw. das Gemeinschaftszeugnis soll dann ausgestellt werden, um danach mit der Erprobung des Versuchsträgers beginnen zu können.

Bei einem Gesamtvolumen von rund 13 Mio. € wird dieses Leuchtturmprojekt im Rahmen des sogenannten NIP 2-Programms »e4ships« gefördert. Vom Bundesverkehrsministerium stammen etwa 8 Mio. €. Koordiniert wird der Bau des ersten Brennstoffzellen-Schubbootes vom Projektträger Jülich (PTJ) und der Nationalen Organisation für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW).

Die Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft (Behala) will mit dem Elektro-Schubschiff »Elektra« Güter zwischen Hamburg und Berlin Güter (vor allem Stückgut) auf Leichtern transportieren. Die Strecke Hamburg-Berlin ist knapp 400 km lang. Je nach Beladung wird die »Elektra« dafür vier bis sechs Tage brauchen.

Versorgungsstation in Lüneburg

Drei Versorgungsstationen sollen auf der Strecke Hamburg-Berlin entstehen. Im Berliner Westhafen wird ein Ausgangspunkt sein, der zweite (für Hamburg) ist in Lüneburg geplant. Dort soll die »Elektra« sowohl die Akkumulatoren aufladen als auch Wasserstoff in Wechseltanks an Deck bunkern. Die Investitionskosten von voraussichtlich rund 110.000 € für die Infrastruktur in Lüneburg übernimmt zur Hälfte der Europäische Fonds für regionale Entwicklung, zur anderen Hälfte der Hafen Lüneburg.

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