Möchte Vorsitzender des neuen großen Binnenschiffs-Verbandes in den Niederlanden werden: Paul Goris, bislang Vorsitzender des CBRB © EBU
Möchte Vorsitzender des neuen großen Binnenschiffs-Verbandes in den Niederlanden werden: Paul Goris, bislang Vorsitzender des CBRB © EBU
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Die beiden niederländischen Verbände Koninklijke BLN-Schuttevaer und CBRB wollen den Binnenschifffahrtssektor künftig effizienter und schlagkräftiger vertreten. Ihre mögliche Fusion geht jetzt ins Finale. Von Hermann Garrelmann

Die hohen Ambitionen in den Bereichen Ökologisierung, Digitalisierung und Sicherheit sowie die Herausforderungen in Bezug auf den Arbeitsmarkt, die Frachtströme und die Infrastruktur müssen von einem Fachverband unterstützt werden, der auf allen Ebenen adäquat handeln kann – national, aber sicher auch international.

»Wir brauchen einen Verband, der die Kraft hat, seine Mitglieder an allen Fronten zu unterstützen und die Kapazität, erfolgreiche Lobbyarbeit zu betreiben.« So hieß es schon zum Auftakt der Gespräche, die zu einer Zusammenführung der beiden großen Branchenverbände führen sollten. Es ist ein weiterer Versuch, die heterogene Verbändelandschaft in den Niederlanden zu bereinigen.

Nun kommt die Zusammenführung der beiden Verbände – Koninklijke BLN-Schuttevaer und Central Bureau für Rhein- und Binnenschifffahrt (CBRB) – auf die Zielgerade. Ende Oktober werde die ursprünglich in diesem Frühjahr geplante Mitgliederversammlung stattfinden, sagt Erik Schultz, Vorsitzender von Koninklijke BLN-Schuttevaer auf Anfrage der »Binnenschifffahrt«. Wenn sich, wie erwartet wird, die Mitglieder für eine Fusion aussprechen, wird es am Januar 2022 nur noch einen starken Binnenschifffahrts-Fachverband in den Niederlanden geben. Mit dann 2.500 Mitgliedern, so hofft man, werde man besser Gehör finden und auf Augenhöhe mit der Politik und mit maßgeblichen Partnern reden können.

Dem Finale vorausgegangen sind, so Schulz, umfangreiche Vorbereitungen, die sich zuletzt vor allem auf Satzungsfragen bezogen. Auch die Frage der Vereinheitlichung der Mitgliedsbeträge war zu klären. Personalien sind laut Schulz noch nicht festgelegt. Mit Paul Goris, dem bisherigen CBRB-Vorsitzenden, gebe es einen »Kandidaat Vorzitter«, aber auch hierzu müsse gewählt werden. Endgültig geklärt ist auch noch nicht, ob der neue Verband seine Geschäftsstelle in Rotterdam oder in Zwijndrecht bekommt. Als sicher aber gilt, dass es zunächst einen Interimsgeschäftsführer geben wird.

Jahrelange Bemühungen

Bereits vor gut fünf Jahren hatte es Bemühungen gegeben, die beiden Verbände zusammenzuführen. Das scheiterte damals aus verschiedenen Gründen. Nun ist den Akteuren wichtig, »das Gute zu bewahren und Synergiegewinne zu maximieren«. Dies mit Substanz zu versehen, hatten in den vergangenen Jahren fünf Ausschüsse mit vielfältigen Themen befasst. Die Teams haben inzwischen ihre Interessen geklärt und sind zu gemeinsamen Ergebnissen gekommen.

Diese Basis soll dem neuen Verband Substanz und einen Rahmen verleihen, in dem sich die derzeitigen Mitglieder beider Organisationen zu Hause fühlen und in dem sie von einem großen Berufsverband fest vertreten werden. Bei BLN-Schuttevaer waren bislang vor allem Partikuliere organisiert, während beim CBRD eher Reedereien, Befrachter und Containeroperateure vertreten waren.

Pünktlich zum Durchstarten wird es ein neues, passenden Logo und einen dazugehörigen Hausstil geben. Auch mit einem soliden gemeinsamen Budget soll ein Arbeitsklima geschaffen werden, in dem sich die Mitarbeiter wohl fühlen und ein Büro zusammenzustellen, das für die Aufgaben der Zukunft gerüstet ist. Mit Blick auf die größer werdenden Aufgaben stellte Schultz fest, dass bislang noch keine vollständige Personalbesetzung gegeben sei, um alle Herausforderungen zu meistern.

Dass es an Aufgaben und Herausforderungen nicht mangelt, ist auch Paul Goris klar, bekannt als ein Freund klarer Worte. Gefragt, ob die gewährte Förderung von 4 Mio. € für das auf Wasserstoff-Basis angetriebene Schiff »Antonie« sinnvoll gewesen sei, ließ Goris wissen: »Als Branchenvorsitzender sollte ich den Minister für diese Unterstützung loben. Ich kenne aber auch einige andere Projekte, die wirklich Hilfe brauchen. Mit 200.000 € hätte ich den Partikulieren der »Soli Deo Gloria« und einigen anderen wirklich helfen können, einen Motor nachzurüsten, der noch alle möglichen Normen erfüllt.« Mit 4 Mio. € hätte man 20 oder 30 Binnenschiffern helfen können. Er sehe deshalb diese Art von Prestigeprojekten, die eine Woche vor den Wahlen gestartet werden, kritisch. »Ich verstehe, dass der Minister diese Entwicklungen fördern möchte. Ich denke auch, dass das Geld in Wasserstoff-Projekte fließen sollte. Tatsächlich muss aber sehr viel mehr Geld in eine nachhaltige Binnenschifffahrt fließen«, sagt Goris. Daher fordere das Gewerbe 250 Mio. € für einen niederländischen Greening-Fonds, nicht nur für die Ökologisierung von Motoren und Kraftstoffen, sondern auch für eine finanzielle Förderung von Innovationen bei neuen Schifffahrtskonzepten.

 

CBRB

ist ein führender Arbeitgeberverband in der Binnenschifffahrt und vertritt die Interessen seiner Mitglieder (von kleinen Transportunternehmen bis hin zu großen Logistikdienstleistern) auf nationaler und internationaler Ebene. Der Tätigkeitsbereich des CBRB umfasst die Bereiche Verkehrspolitik, Wirtschaft, Soziales, Recht, Umwelt und nautische Technik, Sicherheit und Qualitätssicherung.