Hafen, Hamburg, Umschlag
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Der Seegüterumschlag im Hamburger Hafen befindet sich wieder auf Erholungskurs, ist aber noch nicht auf dem Vorkrisenniveau angelangt. Im Modal Split des Hinterlandverkehrs verliert das Binnenschiff Marktanteile.

2021 fiel der Seegüterumschlag mit einem Ergebnis von 128,7 Mio. t und somit einem Plus von 1,9 % besser aus als im ersten Jahr der Corona-Pandemie (2020: 126,3 Mio. t, -7,6 %). Sowohl der Stückgutumschlag, der mit 88,9 Mio. t ein Plus von 1,3 % aufweist, als auch der Massengutumschlag mit 39,8 Mio. t (+3,3 %), trugen dazu bei. Vor der Pandemie, im Jahr 2019, hatte der Seegüterumschlag noch bei 136,6 Mio. t gelegen.

Der Containerumschlag erreichte mit 8,7 Mio. TEU ein Plus von 2,2 %. Im Jahr 2020 waren nur 8,5 Mio. TEU umgeschlagen worden, 2019 waren es noch 9,3 Mio. TEU.

Innerhalb des Segments Massengut entwickelte sich der Umschlag von Greifergut mit insgesamt 21,6 Mio. t positiv und erreichte ein Plus von 11,2 %. Zu diesem Wachstum trug vor allem der Import von Kohle mit 5,5 Mio. t (+15,9 %) und Erz mit 10,5 Mio. t (+10,6 %) bei. Im Agribulk-Bereich wurden im Jahr 2021 insgesamt 6,4 Mio. t Sauggut umgeschlagen. Der Rückgang um insgesamt 14,7 % ist auf weniger Umschlag von Getreide zurückzuführen. Im Segment Flüssigladung lag der Umschlag im Jahr 2021 insgesamt bei 11,8 Mio. t (+1,7 %). Mehr Exporte bei Mineralölprodukten sind vor allem für das leichte Plus in diesem Segment zu nennen.

Binnenschiffahrt verliert Anteile im Hinterlandverkehr

Insgesamt entfielen von den 128,7 Mio. t Gesamtumschlag 91,8 Mio. t auf den Hinterlandverkehr im An- und Abstransport. Transshipment-Ladung machte 36,8 Mio. t aus. Im gesamten Hinterlandumschlag hat die Bahn einen Anteil von 52,8 % (50,7 %), der LKW von 39,7 % (40,2 %) und das Binnenschiff von 7,9 % (9,1 %).

Für ein Rekordergebnis im Jahr 2021 sorgte der Güterverkehr auf der Schiene. Die Hamburger Hafenbahn konnte im vergangenen Jahr ein Transportvolumen von 48,5 Mio. t (+4,0 %) abfertigen. Beim Containertransport wurde mit 2,79 Mio. TEU sogar ein Plus von 8 % erreicht. Der Modal-Split-Anteil der Eisenbahn liegt in Hamburg beim Containertransport inzwischen bei 51,5 % (2020: 50,2 %). Der LKW-Anteil geht in Hamburg zurück und beträgt 46,1 % (47 %). Das Binnenschiff erreicht beim Containertransport von und nach dem Hamburger Hafen einen Anteil von 2,4 % (2,8 %).

Dabei ist der Rückgang bei der Binnenschifffahrt im Containerhinterlandverkehr nicht nur relativ, auch in absoluten Zahlen fiel der Verkehrsträger mit einer Transportleistung von 128.500 TEU und knapp 7 Mio. t zurück. 2020 waren es im Containerverkehr noch 155,100 TEU. Dafür gebe es unterschiedliche Ursachen, heißt es, vor allem der die Schiffbarkeit der Elbe und der Zustand des deutschen Binnenwasserstraßensystems ingesamt seien für die Rückgänge im Containerverkehr verantwortlich. Aber auch Rückgänge im Massengutbereich, insbesondere bei Kohle und Getreide wirkten sich negativ auf die Binnenschiffstransportmengen aus.

Russland noch Handelspartner Nr. 4

China, die USA und Singapur führen in der Rankingliste der Top 10 Partnerländer Hamburgs im Containerumschlag. Der noch im Vorjahr zu verzeichnende Mengenrückgang im seeseitigen Containerumschlag mit China wurde gestoppt. Im Jahr 2021 wurde mit 2,6 Mio. TEU ein Plus von 5,5 % erreicht. Unter den weiteren Handelspartnern im Containerverkehr folgen im Ranking nach China die USA (+4,5 %), Singapur (+0,9 %), Russland (-3,0 %), Schweden (+7,5 %) und das Vereinigte Königreich (-9,9 %). Es folgen in der Top-10-Übersicht des Hamburger Hafens auf Position sieben Polen (+20,7 %), auf Position acht Südkorea (-0,4 %), auf Position neun Dänemark (+4,6 %) und auf Position zehn Brasilien (+3,2 %).

Die Russland-Verkehre dürften nach dem russischen Überfall auf die Ukraine durch die internationalen Sanktionen zurückgehen. Bereits durch die nach der russischen Besetzung der ukrainischen Halbinsel Krim im Jahr 2014 verhängten Sanktionen ist der Containerverkehr zwischen Hamburg um Russland um 300.000 TEU bzw. 40 % zurückgegangen. Volumenmäßig ist aber der Kohle- und Holzverkehr auf den Russlandrouten dominierend. Auch hier bleibt die Entwicklung abzuwarten.

Seidenstraßen-Containerzüge vor unsicherer Zukunft

In Ergänzung zum Seetransport werden immer mehr Container auf der Schiene zwischen China und Hamburg transportiert. Hamburg ist in Deutschland der führende Start- und Endpunkt für Containertransporte per Seeschiff und für Containerzugverbindungen auf der Neuen Seidenstraße. Rund 160.000 TEU wurden im vergangenen Jahr per Eisenbahn zwischen Hamburg und mehr als 25 Zielorten in China befördert (+ 51 %). Von verschiedenen Anbietern werden insgesamt 293 Chinazugverbindungen von und nach Hamburg vermarktet.

Die Zugverbindung nach China über die Ukraine existieren mit dem Überfall Russlands auf das Nachbarland nicht mehr. Wie es um die Zugverbindungen steht, die über die Grenze zwischen Polen und Weißrussland laufen, ist derzeit noch unklar. Somit muss sich erst noch zeigen, wie sich diese Verkehre im laufenden Jahr weiterentwickeln. Alternative Kapazitäten für die betroffene Ladung auf Schiffen zu finden dürfte sich aber als schwierig erweisen.

Ukraine-Krieg macht Ausblick schwierig

»Der Krieg in der Ukraine wird sich auch auf die Umschlagentwicklung des Hamburger Hafens auswirken. Aktuell lässt sich jedoch noch nicht sagen, inwieweit die Sanktionen gegenüber Russland die Umschlagentwicklung beeinflussen werden. Eine realistische Prognose für das laufende Jahr lässt sich zu diesem Zeitpunkt nicht geben, denn auch die Corona-Pandemie könnte weiterhin Einfluss auf den seeseitigen Außenhandel nehmen«, sagt Mattern. Für das Jahr 2022 hofft die Marketingorganisation des Hamburger Hafens auf einen insgesamt stabilen Verlauf beim Seegüterumschlag.

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