© Wroblewski
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Die Gewerkschaft Verdi hat im festgefahrenen Tarifkonflikt die Hafenarbeiter zu einem erneuten Streik aufgerufen. Aus der Schifffahrt kommt scharfe Kritik.

Morgen ab Beginn der Frühschicht bis Ende der Nachtschicht am Freitag soll es einen Warnstreik geben. In ihrem Aufruf kritisiert die Gewerkschaft, dass auch das letzte, erhöhte Angebot des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) nicht ausreichend sei, vor allem, da es sich auf eine andere Laufzeit bezieht.

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Hafenarbeiter streiken vor der HHLA-Zentrale in Hamburg (© Wroblewski)

Somit droht nun der dritte Streik innerhalb weniger Wochen. Aufgerufen sind Arbeiter unter anderem bei HCCR, Eurogate Hamburg, HHLA, Hansaport, ADM, K+S, SCA, SCB in Hamburg, Anker Schifffahrt und EVAG in Emden sowie in Bremerhaven und Bremen Atlantik Hafenbetriebe, BLG, Dr. Heinrichs, Eurogate (auch in Wilhelmshaven), RRS RoRo Der ZDS hatte jüngst ein erneutes Angebot vorgelegt, mit bis 12,5% Tarifsteigerung verteilt auf zwei Jahre, gleichzeitig aber auch ein Schlichtungsverfahren gefordert. Verdi reicht das nicht, unter anderem will die Gewerkschaft schon nach einem Jahr neu verhandeln.

»Völlige Verantwortungslosigkeit«

Alexander Geisler, Geschäftsführer des Verbands Hamburger und Bremer Schiffsmakler kritisierte den Aufruf mit deutlichen Worten: »In dieser Situation zum Streik aufzurufen, zeugt von einer völligen Verantwortungslosigkeit der Gewerkschaft.« Schon jetzt würden die Schiffe vor Bremen, Bremerhaven und Hamburg zwischen sieben bis 14 Tage auf einen Liegeplatz warten und die Lade- wie Löschoperationen liefen äußerst schleppend. Jede zusätzliche Verzögerung werde daher zu einer weiteren Belastung für die Lieferketten in Deutschland und noch für Wochen, vor allem in den Unternehmen im Hinterland, spürbar sein.

»Andere Häfen freuen sich bereits«

»Auch vor dem Hintergrund, dass die Dockergewerkschaft an der US-Westküste angekündigt hat, auf Streiks verzichten zu wollen, um weitere Preissteigerungen für die Verbraucher und Verbraucherinnen in den USA zu verhindern, kann man die neuerliche Ankündigung der Verdi zur Durchsetzung von Partikularinteressen nur als unverantwortlich und als schädlich für die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Standorte bezeichnen«, so Geisler weiter. Andere Häfen würden sich bereits freuen. Denn während in Bremerhaven gestreikt wird, wandere RoRo-Ladung unwiederbringlich nach Zeebrugge oder Koper ab. »Und in Le Havre werden 700 Mio. € in neue Hafenanlagen investiert und 1.000 neue Jobs geschaffen, während man in Hamburg mit ›Bummelstreiks‹ die Produktivität künstlich senkt. Wenn das so weiter geht, ist Le Havre schon bald das neue Hamburg……..Alles keine guten Nachrichten für die hiesigen Standorte«, sagt der Verbandsvertreter.

Nach der letzten Verhandlungsrunde hatte Ulrike Riedel, Verhandlungsführerin beim ZDS, deutliche Worte gefunden: »Wir liegen mit diesem Angebot über der sehr hohen Inflationsrate und weit über dem, was Verdi und andere Gewerkschaften in anderen aktuellen Verhandlungen fordern und abschließen. Mehr als das können wir uns nicht leisten, ohne den Fortbestand von Unternehmen zu gefährden«, so Riedel weiter. Eine weitere Eskalation sei angesichts dieses Angebots vollkommen unverhältnismäßig und schade nicht nur den Betrieben, sondern Deutschland insgesamt.

Details des letzten Angebots

Der ZDS vertritt in den Lohntarifverhandlungen die Interessen jener 58 seiner 156 Mitgliedsunternehmen, die an den entsprechenden Lohntarifvertrag gebunden sind. Dieser gilt für rund 12.000 Mitarbeitende in Hamburg, Niedersachsen und den bremischen Häfen. Nachdem am 21. Juni bereits ein finales Angebot mit einer Laufzeit von 18 Monaten unterbreitet wurde, liegt nun ein finales Angebot für eine Laufzeit von 24 Monaten vor. Es sieht im Einzelnen Folgendes vor:

  • Rückwirkend ab 1. Juni 2022:
    • Erhöhung der Grundstundenlöhne um 1,20 € (0,90 € in den Autoterminals)
    • Erhöhung der Zulage um 1500 € in Vollcontainerbetrieben bzw. 750 € in konventionellen Betrieben
    • Eine Einmalzahlung über 700 € in Vollcontainerbetrieben
    • Erhöhung der Grundstundenlöhne und Zuschläge der Betriebe in Beschäftigungssicherung um 3,5%
  • Ab dem 1. Juni 2023
    • Erhöhung der Grundstundenlöhne und Zulagen um weitere 3,1 %
    • Erhöhung der Grundstundenlöhne und Zulagen in Betrieben mit Beschäftigungssicherung um weitere 2 %
  • Mit der Erhöhung von Stundenlöhnen, Zuschlägen, Zulage und Einmalzahlung ergeben sich laut ZDS folgende Gesamtvolumina:
    • 12,5 % in Vollcontainerbetrieben
    • 9,6 % in konventionellen Betrieben und
    • 5,5 % bei Betrieben in Beschäftigungssicherung

Im jüngsten Verdi-Aufruf heißt es, dass die Bundestarifkommission das Angebot bewertet und zurückgewiesen hat. Die Forderungen sind:

  • Tatsächlicher Inflationsausgleich in Höhe von 7,4%
  • 1,20 € Erhöhung der Stundenlöhne
  • Erhöhung der A-Pauschale um 1.200 €
  • Laufzeit: 12 Monate
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