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Unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier findet im September in Bremen und Bremerhaven ein Schifffahrtstag statt. Christian Suhr und Iven Krämer vom Deutschen Nautischen Verein über den Stand der Vorbereitungen

Der Schifffahrtstag rückt näher – wie weit sind die Vorbereitungen gediehen?

Christian Suhr, Vorsitzender DNV © DNV
Christian Suhr, Vorsitzender DNV © DNV

Christian Suhr: Im vergangenen Jahr am Weltschifffahrtstag haben wir offiziell die Ausrichtung des Deutschen Schifffahrtstages in Bremen und Bremerhaven unter dem Motto »Nachhaltige Schifffahrt: Gemeinsam, klar, sauber!« bekannt gegeben. Das »Wir« steht dabei für die beiden Nautischen Vereine in Bremerhaven und Bremen, den Deutschen Nautischen Verein und unsere fachlichen Partner, den Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) sowie den Deutschen Marinebund (DMB). Seither planen und gestalten wir auch unter enger Einbeziehung vieler weiterer Akteure vor Ort das umfassende Programm, das sich nicht nur an Fachbesucherinnen und Besucher, sondern ganz bewusst auch an eine breite Öffentlichkeit und gerade auch an junge Menschen richten wird. Die Schifffahrt ist in der heutigen Zeit für unser Land von höchster Bedeutung, und genau das wollen wir mit dem Programm deutlich machen.

Iven Krämer, Vorstand DNV © DNV
Iven Krämer, Vorstand DNV © DNV

Iven Krämer: Wichtige Bestandteile, die es zu klären und abzustimmen galt, waren bzw. sind die Übernahme der Schirmherrschaft durch den Bundespräsidenten, die Gestaltung des offiziellen Eröffnungsfestaktes in Kooperation mit der Deutschen Seemannsmission im St. Petri Dom zu Bremen und natürlich das Nautische Essen in Bremen, das wir in Verbindung mit einem Empfang des Senats der Freien Hansestadt Bremen in der oberen Rathaushalle durchführen. Als sichtbares Zeichen der Bedeutung der Schifffahrt werden Bremen und Bremerhaven in der gesamten Woche des Schifffahrtstages im maritimen Blau erstrahlen.

Woran arbeiten Sie derzeit noch?

Suhr: Im Moment kümmern wir uns um die berühmten Kleinigkeiten, die aber natürlich nicht zu unterschätzen sind. Da geht es um das Catering, um Einladungskarten für Ehrengäste, die Feinabstimmung in den Programmen usw. Wichtige Punkte sind dabei die Gestaltung des Nautischen Dialogs zum Abschluss der Schiffs- und Bootsparade, ein großer »Tag der offenen Tür« am Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt, eine Aktion unter dem Motto »Hafenmanagement erleben« der Hafengesellschaft bremenports und der Abschluss-Gottesdienst am Sonntag in Bremerhaven.

Wir empfehlen einen regelmäßigen Blick auf die Website des Deutschen Schifffahrtstages unter www.deutscher-schifffahrtstag.de, der alle Informationen stets aktuell bündelt und viele spannende und in Teilen sicherlich auch überraschende Einblicke vermittelt.

Welche weiteren Highlights wird es geben?

Krämer: Das absolute Highlight wird neben der Maritimen Woche in Bremen und den vielen Aktionen in Bremerhaven die große Schiffs- und Bootsparade auf der Weser am Freitag, dem 30. September. Das wird die größte Flotte seit Jahrzehnten. Diese soll an Land durch eine große Radtour entlang des Weser-Radwegs und, wenn das Wetter mitspielt, sogar aus der Luft begleitet werden.

Die fachlichen Highlights sind die drei großen Konferenzen am 29. September. Eine davon richtet der Deutsche Nautische Verein unter dem Titel »Freiheit der Meere – Nachhaltige Sicherung der Seewege als Grundlage fairen Welthandels und der Versorgungssicherheit« in Kooperation mit dem Deutschen Marinebund und dem Verband Deutscher Reeder aus.

Eine zweite Veranstaltung in Kooperation mit dem Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) richtet den Blick auf die Schifffahrt als umweltfreundlichen Verkehrsträger.

Eine dritte Fachveranstaltung widmet sich der Nachhaltigkeit in den Häfen, wobei hier als Partner der Forschungsverbund Maritimes Recht und der Hafenrechtsausschuss der HTG agieren. Im Rahmen dieser Konferenz beabsichtigt das Maritime Cluster Norddeutschland, einen Preis für innovative Lösungen für das Ziel von Null-Emissionen am Liegeplatz zu verleihen.

Suhr: Ein Highlight ganz anderer und besonderer Art ist die enge Einbindung von Schülerinnen und Schülern. Denn wir möchten den Deutschen Schifffahrtstag auch dazu nutzen, um zu zeigen, dass die Schifffahrt modern und zukunftsweisend ist und dass diese Branche sehr unterschiedliche und sehr spannende berufliche Perspektiven bietet.

Eine solche Veranstaltung dient ja nie dem Selbstzweck – wie fällt bislang die Resonanz aus?

Suhr: Die Rückmeldungen sind insgesamt sehr positiv. Die Fachkonferenzen sind so ausgelegt, dass wir jeweils rund 150 Teilnehmer vor Ort erwarten. Bei den Veranstaltungen mit Schülerinnen und Schülern erwarten wir viele Hundert Beteiligte, und die Maritime Woche in Bremen, als direkter Bestandteil der Gesamtveranstaltung, zieht in der Regel mehr als 70.000 Menschen an die Bremer Schlachte. So soll es gern wieder sein.

Kommt ausreichend Unterstützung seitens der Mitglieder und des Gastgeberlandes Bremen?

Krämer: Ja, aber wie immer bei solchen Ereignissen freuen wir uns auch weiter über jede Form der Unterstützung und auch der aktiven Mitwirkung. Ganz besonders setzen wir darauf, dass möglichst viele Unternehmen und Institutionen sich daran beteiligen, dass Bremen und Bremerhaven in der Woche des Schifffahrtstages im Maritimen Blau erstrahlen.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit den beiden Co-Veranstaltern?

Auch hier sind wir sehr zufrieden. Wir haben einen regelmäßigen Austausch zu den vielen kleinen und großen Themen, die mit der Planung und Vorbereitung eines solchen Ereignisses verbunden sind. Besonders sichtbar wird die Kooperation in der inhaltlichen Gestaltung der Fachveranstaltungen, denn dort werden die jeweils besonders bedeutsamen Themen entsprechend fokussiert und diskutiert.

Wir setzen darauf, dass diese enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit auch über den Deutschen Schifffahrtstag hinaus wirkt, denn die großen Themen der Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung, des zunehmenden Fachkräftemangels oder der wachsenden Automatisierung und Digitalisierung betreffen die See- und die Binnenschifffahrt und die Marine gleichermaßen. Genau das war letztlich auch ausschlaggebend dafür, dass aus dem Seeschifffahrtstag nun der Deutsche Schifffahrtstag geworden ist.

Welche Akzente soll der Schifffahrtstag besonders betonen, welche Botschaft aussenden? Und an wen?

Krämer: Ohne die Schifffahrt geht nichts, oder wie unser Schirmherr Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seinem Grußwort etwas übergreifender schreibt: »Ohne die Schifffahrt wäre unsere Welt sehr viel kleiner, hätten keine neuen Lebensräume erschlossen werden können, wäre der Handel in der Form, wie wir ihn kennen, nicht möglich.« Die Schifffahrt und die maritime Logistik haben in den zurückliegenden Monaten große Anstrengungen unternommen, trotz der vielschichtigen Herausfor­derungen die Versorgung der Menschen in Europa sicherzustellen.

Wie wichtig ist der Schifffahrtstag für den Deutschen Nautischen Verein selbst?

Suhr: Der Deutsche Schifffahrtstag, früher der Seeschifffahrtstag, hat eine lange Tradition, die vor über einhundert Jahren begann. Mit der Ausrichtung im Jahr 2022 ist es ja bereits die 36. Veranstaltung dieser Art. Im Lauf der Zeit waren diese Veranstaltungen stets ein absolutes Highlight in der Arbeit der Nautischen Vereine. Sie sorgen dabei einerseits für Sichtbarkeit und sie zeugen anderseits davon, mit welch relevanten Fragestellungen sich die Mitglieder beschäftigen.

Inwieweit ist die Neuorganisation des Vereins gelungen?

Suhr: In diesem Punkt sind wir trotz der unveränderten Folgewirkungen der Corona-Pandemie gut vorangekommen. Wir haben einen vollständig neuen Vorstand, eine neue Leitung des Ständigen Fachausschusses und wir haben, was für die weitere Arbeit von höchster Bedeutung ist, unsere finanzielle Lage neu strukturiert und wieder in ein sehr stabiles Fahrwasser gebracht. Das gibt uns nun wieder den nötigen Freiraum, uns nicht mehr in erster Linie um vereinsinterne Belange kümmern zu müssen, sondern die großen Fragen der Schifffahrt mit der hohen Kompetenz unserer Mitglieder aktiv mitgestalten zu können. Die Nautischen Vereine werden als Berater und Impulsgeber wieder als wichtige und anerkannte Ansprechpartner bei wichtigen maritime Themen wahrgenommen.

Interview: Krischan Förster