Quelle: IMMH
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Der Hamburger Reeder Albert Ballin war und ist einer der prominentesten Vertreter der deutschen Reedereigeschichte. Jetzt gibt es neue Einblicke in sein Leben und Schaffen – und Zweifel an den Umständen seines Todes.

Anlässlich des 100. Todestages des Hamburger Reeders zeigt das Internationale Maritime Museum erstmalig eine exklusive Ausstellung mit Exponaten aus seinem Nachlass. Als Generaldirektor der damals größten Reederei der Welt, der Hapag, war Ballin eine der prominentesten Persönlichkeiten seiner Zeit. Als Unternehmer und Visionär prägte er die Geschichte der Schifffahrt sowohl in Deutschland, als auch international.

Die exklusive Sonderausstellung präsentiert Dokumente, Möbel, Gemälde und Alltagsgegenstände aus dem Privatleben der Person, des Ehemanns und Vaters Albert Ballin.

Aus armen Verhältnissen zum Erfinder der Kreuzfahrt

Eindrucksvoll wird das Wirken und gesellschaftliche Leben des Reeders deutlich, der in seinem Haus alles empfing, was in Deutschland Rang und Namen hatte. Ein in Schreibschrift geführtes Gästebuch belegt, wie viele hochrangige Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft in seinem Haus ein- und ausgingen und wie Ballin Verbindungen schuf und Beziehungen pflegte.

Geboren wurde Ballin 1857 als Sohn einer Hamburger Familie jüdischer Abstammung. Durch den frühen Tod seines aus Dänemark stammenden Vaters, musste er bereits mit 17 Jahren das familiäre Geschäft übernehmen. Seine persönliche Erfolgsgeschichte ist auch die der Hapag, in deren Vorstand er mit nur 31 Jahren berufen wurde. Ballin übernahm 1899 als Generaldirektor die Leitung der Reederei. Als treibende Kraft und Visionär verhalf er dem Unternehmen zu Weltgeltung.

Foto: Hapag-Lloyd

Selbst die heutige Kreuzfahrt geht nach Meinung vieler Experten auf seine Idee zurück. Da im Winter die Transatlantik-Passagen wegen Unwetters und unruhiger See gewöhnlich weniger gebucht wurden, ließ er sich »Bildungs- und Vergnügungsfahrten« ins Mittelmeer einfallen.

Der Erste Weltkrieg, den Ballin in einer Vermittlerrolle gegenüber England zu verhindern versuchte, setzte seiner Erfolgsgeschichte ein tragisches Ende. Am 9. November 1918 löste die deutsche Republik das Kaiserreich ab; am selben Tag verstarb Albert Ballin im Alter von 61 Jahren. Der Tod beschäftigt die historische Wissenschaft seit Jahrzehnten, bislang war man von einem Suizid ausgegangen, aus Frust über die erzwungene Abdankung des Kaisers. Bei der Eröffnung der Ausstellung zog Urenkel Heinz Hueber aber genau dies in Zweifel. Albert Ballin habe konkrete Pläne für die Nachkriegszeit gehabt, das gehe aus den gefundenen Dokumenten hervor. Dort sei man auch nicht auf irgendwelche Selbstmordgedanken gestoßen. Vielmehr sei Ballin nach der für ihn üblichen und gewohnten Einnahme von Schlafmitteln einem Herzinfarkt erlegen.

Über Jahrzehnte gab es keine Hinweise darauf, dass der private Nachlass Albert Ballins erhalten geblieben ist, bis die österreichische Familie Hueber (Urenkel Albert Ballins) auf ihrem Dachboden in Vergessenheit geratene Kisten öffnete. Zutage kamen beeindruckende Briefe, Fotos und Dokumente. Zusammen mit einer Sammlung von Möbeln, Gemälden, Schmuck und Tafelzubehör, sind diese ab dem 9. November auf Deck 1 im Internationalen Maritimen Museum Hamburg zu sehen.

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