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Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat das Klimaschutzziel der Bundesregierung analysieren lassen. Um es für den Verkehr zu erreichen, werden Mehrinvestitionen zwischen 243 und 256 Mrd. € geschätzt.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse von der Boston Consulting Group (BCG) und Prognos im Auftrag des BDI, die der Verband am Freitag in Berlin präsentierte.

»Bei der Erreichung des Klimaziels im Verkehrssektor stoßen Wirtschaft und Gesellschaft an die Grenzen der praktischen Umsetzbarkeit«, so der BDI. Nötig sei eine Strategie, die dieses ehrgeizige Ziel auf politisch, sozial und ökonomisch vertretbare Weise angehte, so Holger Lösch, stellvertretender BDI-Hauptgeschäftsführer. »Es gibt nicht die eine Wunderwaffe, mit der wir das Klimaziel erreichen können. Wir wollen individuelle Mobilität erhalten, dafür braucht es technologieoffene Lösungen.«

E-Mobilität ist Schlüssel zum Erfolg

Als wesentliche Stellhebel für die angestrebte 40 % Verminderung von Treibhausgasen (THG) bis 2030 gegenüber 1990 identifiziert die Analyse den Antriebswechsel zur E-Mobilität sowie die Erhöhung der Verfügbarkeit CO2-neutraler Kraftstoffe. Beide Bereiche könnten zusammen rund drei Viertel der erforderlichen THG-Reduktionen ausmachen, heißt es. Dafür müssten rund 7 bis 10 Mio. E-Fahrzeuge bis 2030 in Deutschland zugelassen und der Einsatz CO2-neutraler Kraftstoffe gegenüber dem Referenzjahr 2015 um das Vier- bis Fünffache erhöht werden. Ein weiteres Viertel THG ließe sich durch Verkehrsverlagerung auf andere Verkehrsträger und Effizienzsteigerungen einsparen. Mit erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen sei zu rechnen.

»Es wäre ein Fehler, nicht auf alle Technologien zu setzen, bei denen deutsche Unternehmen Weltspitze sind«, so Lösch. Dazu gehörten auch die Verbrennungsmotoren, nicht alleine die Elektroantriebe. Der Analyse zufolge könnte der Einsatz synthetischer und biogener Kraftstoffe bis zu einem Drittel der erforderlichen CO2-Reduktionen bis 2030 bringen, deutlich mehr, als durch den Verkehrsträgerwechsel möglich wäre. »CO2-neutrale Kraftstoffe müssen weltweit ein wichtiger Teil der Lösung sein«, fordert Lösch.

Batterieelektrische Fahrzeuge erst ab 2025

Um die erforderliche Elektrifizierung der Pkw zu erreichen, müsste der Anteil der Elektroantriebe an den Neuzulassungen zwischen 2025 und 2030 sehr stark von rund 30 % auf über 75 % ansteigen. Ein schnellerer Hochlauf dieser Antriebe bereits vor 2025 wäre jedoch mit enormen volkswirtschaftlichen Mehrkosten verbunden. Denn produktionsbedingt sei erst ab 2025 damit zu rechnen, dass rein batterieelektrische Fahrzeuge bei moderaten Mehrpreisen den Mobilitätsansprüchen größerer Kundengruppen genügten.

Auch bei den anderen alternativen Antrieben für Pkw, leichten und schweren Nutzfahrzeugen erhöhen sich laut der Analyse die Kosten für Anschaffung und Aufbau von Tank- und Ladeinfrastruktur. So müsste beispielsweise der Ausbau der Infrastruktur für den Oberleitungs-Lkw im Vergleich zu den Ergebnissen der Klimapfade-Studie 2018 um bis zu fünf Jahre vorgezogen werden. Zum Jahr 2030 wären statt 500 rund 2.500 km Autobahn zu elektrifizieren. Rund 120.000 bis 140.000 schwere Nutzfahrzeuge müssten bis dahin mit Oberleitung, Brennstoffzelle, batterieelektrischem Antrieb und Plug-In-Hybrid-Antrieb ausgestattet sein.

Die vorgestellte Analyse ist eine Sonderauswertung für den Verkehrssektor der im Januar 2018 veröffentlichten Studie »Klimapfade für Deutschland«, die volkwirtschaftlich kosteneffiziente Wege zur Erreichung der deutschen Emissionsminderungsziele bis zum Jahr 2050 aufzeigt. Die Analyseergebnisse fließen ein in die Arbeitsgruppe 1, einer von der Bundesregierung eingesetzten Beraterkommission der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität.

»Eine Klima-Planwirtschaft, die schlicht Jahresziele definiert, ist der falsche Weg«, warnt Lösch. Das Ziel, bis 2030 gut 40 % des CO2-Ausstoßes einzusparen, erfordere einen sehr großen Lenkungsimpuls und sei möglicherweise jenseits dessen, was die Verbraucher bereit seien zu zahlen. Gesucht werde ein intelligenter Mix aus Fordern und Fördern.

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