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Die Hamburger Werft Pella Sietas ist mit der Fertigstellung der neuen LNG-Fähre der Stadtwerke Konstanz gut vorangekommen. In Sektionen wird das künftige Schiff an den Bodensee transportiert

Nach Angaben des Eigners waren 560 t Stahl nötig, um die einzelnen Bauteile des Schiffsrumpfes herzustellen. »Auf der einen Seite benötigt man bei der Herstellung viele verschiedene Teile, die alle zueinander passen müssen. Andererseits müssen diese Stahlteile dann miteinander verschweißt werden. Es sind also sowohl eher filigrane als auch relativ kraftintensive Arbeiten notwendig«, erläutert Michael Tarnowski, Projektleiter bei Pella Sietas für den Neubau des LNG-Fährschiffes.

Anfangs wurde ein 3D-Modell des Neubaus erstellt. Beim eigentlichen Bauprozess des Schiffes in der Werft werden die einzelnen Bauteile nummeriert, jeweils von einer computergesteuerten Schneidbrennanlage aus den großen Stahlplatten herausgeschnitten, falls notwendig gebogen und dann miteinander verschweißt.

»Hier braucht es schon eine gewisse Übersicht – letztlich ist so ein Schiff in der Grundkonstruktion wie ein großes Puzzle«, erklärt Tarnowski. Parallel würden auch die benötigten Rohre und Leitungen produziert, die aber erst später ins Schiff eingebaut würden, wenn die Gesamtkonstruktion stehe, so Tarnowski weiter.

Nun folgt also der nächste große Schritt für das Fährschiff: Die einzelnen Sektionen müssen von Hamburg ins österreichische Fußach gebracht werden. »Dort werden in den kommenden Monaten die einzelnen Sektionen – jede von ihnen ist etwa 13,5 m breit und 4,5 m lang – zusammengeschweißt und das Schiff nimmt Gestalt an. Der Transport wird auf der Straße erfolgen, das ist der einfachste Weg«, so Tarnowski. Insgesamt seien 17 Transporte ab Ende Oktober geplant. Die Endmontage erfolgt dann 2020 im Konstanzer Fährhafen Staad.

Besonders viel Aufmerksamkeit widmeten die Ingenieure dem Thema Sicherheit: »Die LNG-Tanks sind in einem Raum, in den man nur durch eine gasdichte Druckschleuse gelangt, und somit quasi vom restlichen Schiff hermetisch abgetrennt«, sagt Tarnowski. Alle Leitungen seien zudem doppelwandig mit integrierten Gasschnüfflern ausgeführt und böten somit doppelte Sicherheit.

Neueste Technologien an Bord

Weiterhin verfügt das Schiff über einen hohen Kamin, über den das Gas notfalls in ausreichender Höhe nach außen weg vom Schiff gedrückt werden kann. Alles wurde und wird streng von der Klassifikationsgesellschaft geprüft. »Nur so erhält das Schiff seine Zulassung«, erklärt Tarnowski. Ebenso werde beim neuen Fährschiff der IGF-Code (International Code of Safety for Ship Using Gases or Other Low-flashpoint) komplett erfüllt, der in der Schifffahrt seit langem bewährte Sicherheit böte. In diesem sind Anforderungen unter anderem an den Bau von LNG-Schiffen sowie entsprechende Verhaltensweisen der Besatzungen festgeschrieben und standardisiert.

Im Herbst 2020 soll das Schiff auf dem Bodensee in Betrieb gehen. Rein äußerlich wird sich die neue Fähre an der bereits auf der Linie fahrenden Fähre »Lodi« orientieren, die im Jahr 2010 von der damals noch am Bodensee aktiven Bodan-Werft an die Stadtwerke übergeben worden war. Der Antrieb der Fähre erfolgt mit Hilfe zweier Gas-Motoren von MTU, die ihre Leistung von jeweils 746 kW auf zwei Voith-Schneider Propeller übertragen. Der Widerstand des auf das Fahrtprofil optimierten Rumpfes wurde mit Hilfe vieler tausend Schleppversuche auf ein Minimum reduziert.  Der Auftrag hat ein Volumen von knapp unter 18 Mio. €.

Der Gasmotor stößt gegenüber einem Dieselmotor ohne Abgasnachbehandlung keinen Ruß und keine Schwefeloxide aus, 90% weniger Stickoxide und 10% weniger Treibhausgas. Damit hält er die seit 2016 geltenden IMO-III-Abgasnormen ohne zusätzliche Abgasnachbehandlung ein. In Dynamik und Performance entspricht er einem Dieselmotor. Die Stadtwerke Konstanz erhalten die ersten Motoren der 8-Zylinder-Version.

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