Hafen Krefeld legt zu und hofft auf mehr

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Der Güterumschlag in Krefeld ist im vergangenen Jahr von 5,2 auf 5,5 Mio. t geklettert. Sowohl Schiff als auch Bahn konnten ihr Ergebnis steigern. Zwei Großansiedlungen

lassen in den kommenden Jahren weiteres Wachstum erwarten

Rund zehn Schiffe pro Tag haben über das Jahr 2019 hinweg im Rheinhafen Krefeld für einen Güterumschlag von 3,53 Mio. t gesorgt. Das waren allein auf der Wasserseite knapp 5,9% mehr als im Vorjahr. Noch deutlicher der Anstieg bei der Hafenbahn mit +7,2% auf 1,99 Mio. t.

Der Gesamtumschlag stieg damit binnen Jahresfrist von 5,2 Mio. t auf 5,5 Mio. t. Das brachte der Hafengesellschaft am Ende einen Gewinn von rund 1,3 Mio. €. Diese Bilanz zogen jüngst die Geschäftsführer Elisabeth Lehnen und Christoph Carnol, der vor vier Monaten die Nachfolge von Sascha Odermatt angetreten hatte.

Wie die meisten anderen Rhein-Häfen hatte auch Krefeld die lange Niedrigwasser-Phase im Jahr zuvor verkraften müssen. Auch das erste Halbjahr verlief nicht sonderlich erfreulich. Doch in den verleibenden sechs Monaten des Jahres kam die Trendwende. Die Einbußen konnten mehr als wettgemacht werden, »am ende stand ein deutliches Plus«, berichtet Lehnen. Mehr noch: Mit einem besseren Ladungsmix habe sich der Hafen ein Stück weit unabhängiger von der Chemiekonjunktur gemacht. Der Schiffsumschlag legte um 195.000 t auf gut 3,5 Mio. t zu und macht damit weiter den Großteil des Ladungsaufkommens aus. Die Bahn brachte es auf nahezu 2 Mio. t, ein Plus von 134.000 t (+7,2%). Vornehmlich bei Getreide und im Kombinierten Verkehr (Container) habe es Zuwachs gegeben, heißt es.

Auch die Aussichten für die kommenden Jahre sind glänzend. Denn mit der Castellmühle und dem Gaslieferanten Caratgas werden zwei neue Großkunden im Verbund mit den bereits im Hafen etablierten Firmen wie Cargill für eine weitere Zunahme des Umschlags sorgen.

Der Neubau der Castellmühle geht in großen Schritten voran. Mitte des Jahres soll alles fertig sein. Was die Mühle braucht und was sie produziert, wird dann künftig per Binnenschiff, Zug und Lastwagen transportiert. Durch eine annähernde Verdopplung der Entladekapazitäten sind maßgebliche Steigerungen der Getreidemengen zu erwarten.

Zweite große Investition im Hafen ist das Flüssiggas-Lager von Caratgas, Tochter der Westfalen-Gas-Gruppe. Mit 1,6 Mrd. € Jahresumsatz zählt diese zu den größten Flüssiggasversorgern in Deutschland. Gut 16 Mio. € werden in Krefeld in fünf Propan- und Butantanks und die nötige Infrastruktur investiert. Dafür wurde ein 40 000 m2 großes Gelände am südlichen Wendebecken des Hafens gepachtet. Ende des Jahres soll das Flüssiggas-Tanklager in Betrieb gehen.

Die Hafengesellschaft selbst, an der die Stadt 51% und die Neuss-Düsseldorfer Häfen (NDH) die restlichen der Anteile halten, investiert selbst auch, unter anderem in die Lok-Werkstatt und in die Instandhaltung und Erneuerung der Infrastruktur. So sollen einst stillgelegte Gleise reaktiviert werden und, dort wo erforderlich, ein zweites Gleis verlegt werden.

Mehr als 130 000 m2 an Flächen könnten noch kurzfristig vermarktet werden können. So wie bei den jüngsten Ansiedlungen sollen Unternehmen ausgewählt werden, die möglichst alle Verkehrsträger des Hafens nutzen und damit den trimodalen Standort am Rhein stärken.

Bereits im vergangenen Jahr wurde das Ziel ausgegeben, innerhalb von fünf Jahren beim Geschäftsergebnis die Marke von 2 Mio. € zu erreichen. Dafür ist eine Zunahme des Güterumschlags neben den Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung erforderlich. Elisabeth Lehnen ist optimistisch: »Wir gehen davon aus, dass dies auch gelingen wird.«

Bereits in diesem Jahr sollen wasserseitig rund 3,6 Mio. t über die Kaikante gehen, das wäre eine Steigerung um etwa 2%. Im Jahr darauf, 2022, sollen es bereits 4 Mio. t sein, also rund 14% mehr als 2019. Die Bahn soll gleichzeitig ihre Transportmengen in diesem Jahr auf 2,1 Mio. t (+5%) und 2022 auf 2,2 Mio. t steigern, insgesamt also um gut 10% im Vergleich zu 2019.

Der größte Teil des Zuwachses kommt von den beiden Neuansiedlern im Hafen, also von Caratgas und der Castellmühle. Aber mit dem Agrarriesen Cargill hat auch ein weiterer Großkunde des Hafens angekündigt, mehr Güter über Krefeld verladen zu wollen. Eine Umstellung in den Produktionsabläufen beim US-Konzern soll vor allem den Schiffsumschlag deutlich beflügeln.


Krischan Förster