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Flusskreuzfahrten bleiben im Trend: Die Zahl der Passagiere aus dem deutschen Markt stieg um 8 % auf 470.000 Gäste, der Umsatz kletterte auf über 500 Mio. € aufgrund höherer Reisepreise und Tagesätze. Nach einem relativ geringen Flottenzuwachs sind für 2019 wieder mehr Neubauten angekündigt.

Das Umfeld für die Kreuzfahrt ist insgesamt positiv. Kreuzfahrten auf See nehmen in einem bisher unbekannten Ausmaß zu, wobei auch die Preise wieder steigen. Auch für die bisher quantitativ eher unbedeutenden Küstenkreuzfahrten, zum Beispiel in Kroatien oder in der Halong Bay in Vietnam, kommen in schnellem Takt neue Schiffe in Fahrt.

Auf dem Fluss wächst die Kapazität weiter vor allem in Europa, wenn auch 2018 in geringem Tempo. In Russland lassen die ersten Neubauten noch bis mindestens 2020 auf sich warten, da die Werften mit solch anspruchsvollen Schiffen keine Erfahrung haben und Importe nicht möglich sind. Mit den geplanten Reisen auf dem Schwarzen und Kaspischen Meer mit seegängigen Flussschiffen könnte ein neues Marktsegment eröffnet werden.

Nach Ägypten kommen wieder erheblich mehr Touristen, aber noch dümpelt mehr als die Hälfte der Nil-Flotte ohne Beschäftigung vor sich hin. In der restlichen Welt ist der Flottenzuwachs absolut gering. Dass keine der Yangtse-Reedereien jüngst zur Berliner Tourismusbörse ITB angereist kam, eröffnet Raum für Spekulationen. Nutzen die Chinesen ihre Schiffe jetzt stärker selbst? Aber warum sind dann keine Neubauten bekannt?

Von den deutschen Gästen ist also ein Teil wieder auf den Nil zurückgekehrt, aber auch die hauptsächlich auf Rhein-Main-Donau aktiven Veranstalter berichten von vollen Schiffen und höheren Vorausbuchungen. Anders sah es bei den amerikanischen Anbietern aus, deren Gäste 2016 von den Attentaten in Belgien und Frankreich verschreckt waren, so in den vergangenen beiden Jahren einige Schiffe aufgelegt waren. Daher wurden für 2018 auch keine Neubauten bestellt, der Flottenzuwachs in Europa fällt aktuell gering aus.

Allein die in den USA ansässige AMA Waterways hat die Kapazitäten für Reisende aus den USA erhöht. Ebenfalls international aktiv ist Crystal Cruises. Die Flussflotte der malaysischen Gesellschaft, Eigentümerin der Bremerhavener Lloyd Werft und der MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern, stockt die Flotte mit fünf Neubauten auf.

Die französische Reederei CroisiEurope erwartet die »Elbe Princess II«, die ähnlich der etwas kleineren Schwester ebenfalls mit Heckrädern ausgestattet sein ist (siehe Bericht auf S. ). Die Scylla AG baut das bereits vierte Schiff einer Serie für den britischen Veranstalter Riviera Travel. Wie gut dieses Geschäft läuft, wird durch den Folgeauftrag für zwei weitere Einheiten im Jahr 2019 bestätigt.

Rund 50 % der Neubauten sind für ausländische Märkte vorgesehen, die andere Hälfte für deutschsprachige Gäste. Hier ein Überblick über weitere Aktivitäten:

»nicko cruises« hat sich nach der Insolvenz 2016 und 2017 gut erholt, tauscht ältere Schiffe aus und erwartet schon im laufenden Jahr den innovativen Neubau »Nicko Vision«, der ebenfalls von der Scylla AG gechartert wird. Nicko bietet auch Küstenfahrten in Kroatien und vermarktet im Auftrag des neuen portugiesischen Eigentümers zudem das Expeditionsschiff »World Explorer« im Sommer.

Der andere große Anbieter in Deutschland ist Phoenix Reisen. Der Bonner Reiseveranstalter ist ebenfalls langjähriger Partner von Scylla, hat dort je einen Neubau für 2019 und 2020 bestellt und sich damit für mehr als 10 Jahre festgelegt. Dieses Jahr hat Phoenix bereits die »Alena« vom holländischen Partner Rijfers erhalten und jüngst getauft. Im Vorjahr war es die »Asara«, im kommenden Jahr wird beim Partner DUNAV die »Rousse Prestige« gegen einen Neubau eingetauscht.

Auch von A-Rosa Flussschiff ist bekannt, dass Neubaupläne bestehen. Vermutlich wurden sie durch einen Wechsel des Eigentümers der Firma verzögert, aber die Planungen laufen dem Vernehmen nach weiter.

1A Vista Reisen überrascht mit dem 135 m langen Neubau »Vistastar«. Hinter diesem kurzfristig abzuliefernden Schiff steckt die »Emerald Belle«, die ursprünglich von Emerald Waterways geordert worden war, doch kurz vor ihrer Fertigstellung auf der Werft in Brand geriet. Emerald lehnte die Übernahme vor zwei Jahren ab – 1A Vista Reisen ergriff die Chance, ein neues Schiff zu erwerben.

Lüftner Cruises aus Innsbruck kann mit seinen Plänen dagegen kaum mehr überraschen. Nach 2018 kommt auch jetzt wieder ein Neubau. Mit einem anderen Schiff der Lüftner-Flotte will der britische Seereisen-Anbieter Fred Olson Cruises sein Debüt in der Flusskreuzfahrt geben.

Im letzen Jahr verschwanden mehrere alte Schiffe aus den Katalogen. Eines davon ist unter dem neuen Namen »Arkona« wieder aufgetaucht. Nach einem gründlichen Umbau macht das 90-Betten-Schiff jetzt Radreisen entlang der Donau für SE Tours.

Damit ist die Aktivität der deutschen Veranstalter größer als in den Jahren zuvor, kann aber als angemessene Flottenmodernisierung gesehen werden. Die US-Reedereien, die in den vergangenen Jahren deutlich expansiver agiert hatten, haben prompt die Delle in der Nachfragekurve erleben müssen. Aber auch sie lassen sich nicht entmutigen und haben für 2019 neue Kapazitäten im Angebot:

Viking River Cruises lässt in Warnemünde bei der Neptun Werft nochmals sechs »Longships« bauen. Sie sollen sogar nur die Vorboten einer neuen Schiffsklasse sein.

Auch AMA Waterways zieht das Tempo wieder an. Neben der »Amamora« aus der laufenden Serie wird die »Amamagna« auf der Donau präsentiert. Wie der Name erahnen lässt, wird sie eines der wenigen Schiffe sein, die die Schleusenbreiten mit 22 m Schiffsbreite fast vollständig ausnutzen. So sind echte Balkone möglich.

Avalon Waterways gibt vorerst ein neues Schiff bekannt, gibt dafür aber ein älteres ab. Douro Azul ist eigentlich eine europäische Reederei, mit dem selben Eigentümer wie nicko. Jedoch ist Douro Azul meist nur der Betreiber der Schiffe, während die Reiseveranstalter fremde Charterer sind. Für die bis 2019 angekündigten weiteren vier Neubauten portugiesischer Werften sind schon AMA Waterways, Viking River Cruises und Riviera Travel als Charterer gesetzt.

Mit gut 350 Schiffen mit 40 oder mehr Betten hat sich die Flotte auf den europäischen Flüssen innerhalb von rund 12 Jahren verdoppelt. Dabei wird es nicht bleiben, vor allem wenn mehr Chinesen kommen, denen Viking River Cruises schon mehrere Schiffe reserviert. Die Reisezeiten wurden schon über einen großen Teil des Jahres ausgedehnt. Jetzt heißt es die Nutzung von Liegeplätzen und Schleusen besser zu koordinieren und neue Reiseziele und Ausflüge zu entwickeln.


Arnulf Hader

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