Wachwechsel in Magdeburg

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Der langgediente Hafenchef Karl-Heinz-Ehrhardt hat zum Jahreswechsel die Amtsgeschäfte in Magdeburg an Heiko Maly übergeben. Mit dem Ausbau des Industriehafens steht für seinen Nachfolger ein weiteres Großprojekt an

Schon heute spielt Magdeburg am Schnittpunkt zwischen Elbe und Mittellandkanal eine wichtige Rolle als Logistikdrehscheibe in Mitteldeutschland sowie insgesamt im deutschen Wasserstraßennetz. Ehrhardt, der nach der Wende aus Hamburg kam, hat als Hafenchef diese Entwicklung maßgeblich vorangetrieben.

Nun aber wechselt der Oldtimer-Fan und passionierte Rallye-Fahrer nach 16 Jahren an der Spitzer in den Ruhestand. In das Büro des Geschäftsführers zieht Heiko Maly ein. Der promovierte Ingenieur (Maschinenbau) war aus dem Landesverkehrsministerium gekommen und war in den vergangenen Jahren als Prokurist und Leiter Betrieb/Vertrieb/Logistik zum Nachfolger Ehrhardts aufgebaut worden. »Es wird eine herausfordernde, aber auch reizvolle Aufgabe«, sagt Maly.

Als die Elbe-Pegel im vergangenen Sommer auf einen historischen Tiefststand absackten, lief das Geschäft in Magdeburg munter weiter. Vor fünf Jahren war die Niedrigwasserschleuse in Betrieb genommen worden, die seither den Wasserstand konstant bei 4 m hält. Selbst lang anhaltende Niedrigwasser-Perioden sind für den Hafen seither kein Problem mehr. Denn es bleibt konstant bei einer Tauchtiefe von 2,8 m.

Dennoch bekam der Hafen die Folgen der Trockenheit und konjunktureller Einflüsse zu spüren. »Bei einigen Güterarten hatten wir deutliche Einbußen«, sagt Ehrhardt. Bei Agrarprodukten, Windkraftanlagen, Aluminium-Schrott.

Das Ergebnis fällt daher schwächer aus als im Vorjahr 2017, als 11 Mio. € Umsatz erwirtschaftet wurden. Für 2018 bleiben wohl 1,6 bis 1,7 Mio. € (vor Steuern) übrig, davon müssen aber noch rund 400.000 € für eine größere Lok-Revision zurückgestellt werden. »Wir sind dennoch gut durchs Jahr gekommen«, so der scheidende Hafenchef.

Die Aussichten sind sowieso eher günstig. In Magdeburg werden bis 2022 weitere 40 Mio. € investiert, um auch den Industriehafen an das Kanalnetz anzuschließen und von den Auswirkungen möglicher Wetterkapriolen abzukoppeln. Dazu sollen unter anderem ein neuer Damm und Kaianlagen errichtet sowie ein Trenndamm entfernt werden. Geplant sind zudem die Sanierung des Schrägufers und eine Begradigung des Hafenbeckenbodens (Sohlsprung). Der Großteil der Investition (90%) kommt von der EU, der Rest wird von der Stadt und dem Hafen co-finanziert.

Für Heiko Maly, den neuen Hafenchef, wird das mit Abstand das größte Projekt. Denn steht erst einmal die Infrastruktur, beginnen die eigentlichen Aufgaben: die Vermarktung des Standortes, die Ansiedlung weiterer Unternehmen, die Optimierung aller Logistikprozesse. »Aber wir schaffen auch Entwicklungsmöglichkeit für mindestens weitere zehn Jahre.«

Mit dem Ausbau werde die infrastrukturell wertvolle Investition in die Niedrigwasserschleuse ergänzt und damit die künftige Entwicklung mittel- bis langfristig abgesichert, sagt Ehrhardt. Er habe sich nie auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausgeruht, und so will es auch sein Nachfolger halten.

Vor wenigen Wochen erst ist der Hafen eine neue Kooperation mit der Reederei Börde Container Feeder (BCF) eingegangen, um den Kunden in Mitteldeutschland maßgeschneiderte Lösungen anbieten zu können. Diese Neuausrichtung diene der Intensivierung und Stärkung des kombinierten Verkehrs auf der Binnenwasserstraße.

Nun aber zieht man gemeinsam am Strang, um sich wechselseitig besser auszulasten. Eine weitere wichtige Kooperation besteht mit Aken einige Kilometer flussaufwärts. Als dort an der versiegenden Elbe nichts mehr ging, wurden beispielsweise Schwerlasttransporte nach Magdeburg umgeleitet.

Die BCF nimmt das Hanse-Terminal in Magdeburg in ihr Transportsystem auf und wird künftig federführend auch die Vor- und Nachläufe von und zum KV-/Container-Terminal verantworten. Im Liniendienst werden die Terminals in Fallersleben, Haldensleben und Magdeburg mit jeweils mehreren wöchentlichen Abfahrten bedient. Gemeinsam wollen die beiden Partner daran arbeiten, mehr Straßentransporte auf das System Wasserstraße zu verlagern.

Auch darum will sich Ehrhardt noch ein Jahr lang kümmern, auch auf Wunsch von Maly. Verkehrspolitik und Verbandsarbeit waren immer ein Steckenpferd, der Hafen ist Mitglied im BDB. Außerdem kann er mit Rat und Tat noch ein Weilchen aushelfen. »Das mache ich dann noch zwei bis drei Tage die Woche.« Dann aber als Angestellter. Privat zieht es ihn aber schon jetzt aus Magdeburg ins Rhein-Main-Gebiet, »da leben meine Töchter, dort möchte ich meinem Enkel ein guter Opa sein«, sagt der bald 69-Jährige.

Der Magdeburger Hafen, der sich über 650 ha und knapp 9 km Kailänge erstreckt, ist der größte Binnenhafen der neuen Länder – und nach Hamburg der zweitgrößte Umschlagplatz im Einzugsgebiet der Elbe. Im vergangenen Jahr wurden im Gesamthafen knapp 4 Mio. t umgeschlagen. Rund 1,2 Mio. t gingen dabei auf die Bahn, der Rest wie gehabt zum größten Teil aufs Schiff. Rund 25.000 TEU werden pro Jahr an Containern in Magdeburg umgeschlagen. Rund 60% aller Güter werden vom Hafen aus in die Region bis zu einer Entfernung von 50 km per Lkw weitertransportiert, die restlichen 40% nehmen weitere Wege.


Krischan Förster