Durchwachsene Bilanz im Nordwesten

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Niedersachsens Häfen haben 2018 etwas weniger umgeschlagen als im Vorjahr – auch bedingt durch das Niedrigwasser im Hinterland. An vielen Hafenstandorten wird nun umso mehr in die Zunkunftssicherheit investiert

Mit rund 50Mio.t umgeschlagener Seegüter haben die neun niedersächsischen Seehäfen 2018 das Ergebnis des Vorjahres von 53Mio.t trotz steigender Tendenz im Stückgut- und Containersegment verfehlt. »Die Umschlagbilanz fällt zwar etwas geringer aus als im absoluten Rekordjahr 2017, bewegt sich aber immer noch auf einem stabilen Niveau und deutlich über dem Ergebnis von 2016. Einzelne Häfen wie etwa Brake (+11%) oder Oldenburg (+30%) konnten ihren Seegüterumschlag sogar noch deutlich steigern. Niedersachsens Häfen sind für den Wettbewerb der europäischen Nordseehäfen weiterhin sehr gut aufgestellt«, so der Niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann. Die Landesregierung werde daher auch in diesem Jahr ihren Zuschuss zu den Investitionen der Hafeninfrastruktur erhöhen: Statt der geplanten 30Mio. € sollen 41Mio. € an die landeseigene Hafeninfrastrukturgesellschaft Niedersachsen Ports (NPorts) fließen.

»Niedersachsens Häfen sind auf eine zuverlässige und moderne Infrastruktur angewiesen. Wir werden als Land dazu beitragen, dass Niedersachsen ein innovativer, leistungsstarker und international wettbewerbsfähiger maritimer Standort bleibt«, so Althusmann. Für die Auswahl eines LNG-Terminals habe man günstige Voraussetzungen: »Niedersachsen bietet mit seinen Häfen, energieintensiven Industriestandorten, den Untergrundspeichern sowie dem Zugang zum europäischen Erdgastransportsystem beste Voraussetzungen für die Errichtung und den Betrieb von LNG-Terminals.« Wilhelmshaven und Stade hätten gute Chancen, bei der in Kürze zu erwartenden Entscheidung des Bundes über Fördermittel zum Aufbau eines LNG-Standortes zum Zuge zu kommen. Die Landesregierung werde sich bei der Bundesregierung weiterhin intensiv für die Förderung eines niedersächsischen LNG-Terminals einsetzen.

JadeWeserPort im Aufwind

Der Blick auf einzelne Hafenstandorte zeigt vielfältige Bemühungen, den Hafenbetrieb zukunftssicher zu machen. Auf ein positives Jahr blickt der JadeWeserPort zurück: 655.790TEU Umschlag bedeuten im dritten Jahr in Folge ein zweistelliges Wachstum (+18% gegenüber 2017). »Wir können mit den Containerumschlagzahlen für Wilhelmshaven erneut zufrieden sein. Der JadeWeserPort habe sich trotz dem schwierigen globalen Marktumfeld als »zuverlässiger Anlaufpunkt bei den weltweit führenden Containerreedereien und unseren exportorientierten Unternehmen etabliert«, unterstreicht Althusmann. Auch wenn eine Prognose für 2019 aufgrund der schwer absehbaren Folgen des Brexits und des Handelskonflikts zwischen den USA und China schwierig sei – der ungebrochene Trend zum Bau von Großcontainerschiffen und die weiterhin gut laufende Flächenverpachtung seien günstige Rahmenbedingungen für die weitere Entwicklung des JadeWeserPorts, so der Minister bei der Bilanzvorstellung in Oldenburg.

Insgesamt 2,5 Jahre und 10Mio. € Investitionen plant die Hafengesellschaft für die Sanierung des Helgoland- und Wangeroogkais in Wilhelmshaven ein. Die vorhandenen Hafenanlagen mit insgesamt rund 360m Kailänge und einer Wassertiefe bei Niedrigwasser von 4m bieten wichtige Umschlagmöglichkeiten für den Küstenschutz sowie für Rettungseinsätze. »Für uns ist die Maßnahme Helgolandkai ein besonderes Digitalisierungsprojekt«, erklärt NPorts-Chef Holger Banik.

Seinen Blick in die Zukunft umreißt er mit drei Schlagwörtern: Digital, Ressourcen-schonend, wirtschaftlich. Dahinter stecken konkrete Ziele. Bis 2025 will das Unternehmen die CO2-Emissionen im Vergleich zum Jahr 2014 um 53% senken. In Tonnen ausgedrückt bedeutet das eine Reduktion von 8.370t auf 3.876t jährlich.

Damit steht auch das Thema Digitalisierung auf der Agenda. In den Häfen Brake und Wilhelmshaven bietet NPorts öffentliche WLAN-Hotspots an der Kaikante an. Sie dienen in erster Linie Kunden, Schiffbesatzungen und Personen, die im Hafen arbeiten und digitale Lösungen nutzen. Auch allen anderen, die sich im Hafengebiet aufhalten, stehen sie zur Verfügung. »Mit dem frei zugänglichen WLAN bieten wir unseren Kunden einen weiteren Service an, um ihren Aufenthalt in unseren Häfen optimal zu gestalten«, sagt Banik. Die Anmeldung funktioniert ohne Passwort.

Für die Anmeldung von Binnenschiffen steht die von NPorts entwickelte App »Port Spot« zur Verfügung. Sie soll das Formular ablösen, mit dem bisher ein Schiff handschriftlich angemeldet werden musste. Das digitale Werkzeug vereinfacht die nötigen Vorbereitungen einer Anmeldung deutlich: Die Dokumente, Melde- und Zählkarten lassen sich jederzeit von überall auf elektronischem Weg bearbeiten und versenden. Binnenschiffer können die App in den bekannten App-Stores herunterladen. Über einen Gastzugang oder ein dauerhaft angelegtes Konto können sie das jeweilige Schiff anmelden. Es ist außerdem möglich, Liegeplatzwünsche für den geplanten Hafenaufenthalt zu äußern.

Cuxhaven und Brake im Plus

Der Hafen Brake verzeichnete eine Umschlagsteigerung um 11% auf 6,28Mio.t (5,66Mio.t). Im Stückgutumschlag wurde mit über 2Mio.t das Vorjahresergebnis von 1,63Mio.t um 23% übertroffen, vor allem dank Forstprodukten. Der Umschlag festen Massenguts konnte, dank Futtergetreide auf 3,73Mio.t um 4% angehoben werden. Positiv ist auch die 24% Steigerung beim flüssigen Massengut (v.a. Speiseöle) auf 554.579t.

Durch den Bau des Großschiffliegeplatzes an der Südpier können nun zwei Frachter mit einer Länge von bis zu 270m gleichzeitig festmachen. Das ergibt bessere Voraussetzungen für höhere Umschlagkapazitäten. Am bestehenden ersten Großschiffsliegeplatz werden derzeit Fender und Poller saniert. »Neben dem Bau neuer Liegeplätze ist es eben auch unsere Aufgabe, den Bestand unserer Häfen zu sichern und damit die Entwicklung in den Häfen kontinuierlich zu gewährleisten und zu verbessern«, sagt Banik.

In Cuxhaven wurden 2018 drei Bauprojekte erfolgreich abgeschlossen. Der Liegeplatz 4 wurde im September eingeweiht. Die Umschlagkapazität am Standort hat sich dadurch deutlich erhöht. Außerdem wurden der Hansakai sowie der Liegeplatz 9.1 eingeweiht. »Für uns sind diese Entwicklungen in Cuxhaven eine große Motivation, die Zukunft des Hafenstandorts tatkräftig voranzubringen«, so Banik. Ende Februar wurde der Antrag zur Planfeststellung der Liegeplätze 5 bis 7 mit einer Länge von 1,3km eingereicht. Damit habe NPorts alle nötigen Vorkehrungen für einen Lückenschluss zwischen Europakai und Offshore-Basis getroffen. Nach der Fertigstellung des Lückenschlusses hätten die Liegeplätze am Strom eine zusammenhängende Gesamtlänge von rund 3,6km.

Der Umschlag an der Elbmündung verbesserte sich um 2% auf 2,65Mio.t. Die positive Entwicklung im Stückgutsegment von 1,66Mio.t auf 1,73Mio.t, hier speziell der Umschlag von Windkomponenten mit 149% Steigerung auf 230.361t, konnten kleinere Verluste im Containersegment und den Rückgang beim Umschlag von Neufahrzeugen (2018: 423.315 Einheiten, 2017: 476.176) mehr als kompensieren. Festes Massengut ist mit 610.095t stabil und fast auf Vorjahresniveau (613.409t). Dagegen macht sich beim flüssigen Massengut die Produktionseinstellung von Bacardi in Buxtehude bemerkbar: 2018: 28.804t, 2017: 31.268t.

Emden mit Defizit, Stade stabil

Emden konnte 2018 trotz dem drittbesten Ergebnis im Autoumschlag mit 1.356.897 Fahrzeugen (2017: 1.447.532), ein Gesamtdefizit von 12% nicht abwenden. Das Ergebnis von insgesamt 4,47Mio.t (5,08Mio.t) liegt aber weiterhin über den Jahren 2016 (4,33Mio.t) und 2015 (4,30Mio.t). Positive Entwicklungen gab es bei den Forstprodukten mit einem Zuwachs um 10,8% auf 472.977t und Chemischen Grundstoffen mit 188.604t (122.046t). Wie überall wirkte sich der für die Bauindustrie schwierige Jahresanfang negativ auf den Umschlag von Baumineralien aus: 2018 mit 795.682t, 2017 noch 1,18Mio.t.

Nach der Wiederinbetriebnahme der Nesserlander Schleuse im April 2018 läuft nach umfassenden Bauwerksprüfungen an der Großen Seeschleuse die Planung für die Sanierung. NPorts rechnet hier mit einem Zeitraum von mehreren Jahren, da die Projekte zur Instandhaltung unter laufendem Betrieb der Schleuse umgesetzt werden müssen. In Vorbereitung ist der Bau des Großschiffsliegeplatzes Emspier. Mit der Fertigstellung wird dann eine rund 860m lange Kaje zur Verfügung stehen. Im Dezember 2018 wurde die Vertiefung der Liegewanne an der Emspier im Außenhafen genehmigt. Damit können in diesem Jahr die Baggerarbeiten beginnen, um am Liegeplatz eine Tiefe von Seekartennull (SKN) -10,92m zu schaffen und Schiffe mit bis zu 10,30m Tiefgang bedienen zu können.

Stade erreichte mit 5,66Mio.t (5,79Mio.t) ein stabiles Ergebnis. Bedingt durch einen Wartungsstopp einer Stader Produktionsanlage und die Verlagerung einiger Gutarten von See- auf Binnenschiffsverkehre wurde das sehr gute 2017er-Ergebnis nicht ganz getroffen. Der Stückgutumschlag nahm um 14% auf 14.855t zu, flüssige Massengüter (2,55Mio.t) und trockenes Massengut (3,09Mio.t) blieben unter dem Vorjahr.

Papenburg optimiert Standort

In Papenburg drehen sich bei stabilen Umschlagzahlen viele Aktivitäten um die Standortoptimierung für die Meyer Werft. Mit bis zu drei Kreuzfahrtschiffen pro Jahr und über 3.000 direkten Arbeitsplätzen sowie einer Standortgarantie bis 2030 ist auch der Fortbestand der Unternehmen, die am Standort für die Werft Material lagern, umschlagen, weiterverarbeiten oder andere Dienstleistungen erbringen, gesichert.

Die Stadt Papenburg hat das Hafenentwicklungskonzept 2025 erarbeitet, dieses wird nun schrittweise umgesetzt. Ein vorrangiges Projekt ist die Grundinstandsetzung der Seeschleuse mit Erneuerung des Außen- und Innenhauptes und der Schleusenkammer. Das Vorhaben ist essentiell für die Erreichbarkeit des Hafens. Die Instandsetzung erfolgt in drei Abschnitten. Während der Umsetzung des ersten Projektabschnitts, dem Bau eines neuen Außenhaupts von 2019 bis 2021, soll es eine nur tageweise Schließung der Schleuse geben, um die Hafenwirtschaft möglichst wenig einzuschränken. Das größte Projekt ist die geplante Industrie- und Hafenflächenerweiterung am Bokeler Bogen. Derzeit wird die Umsiedlung und Neuansiedlung von Firmen geplant. Zukünftig sollen möglichst nur hafenabhängige Unternehmen unmittelbar am Hafenbecken angesiedelt werden. So wurde bereits der Bau eines Logistikzentrums der Meyer Werft beschlossen.

Die maritimen Dienstleister in Papenburg verfügen über eigene Schiffe, Lagerflächen und Umschlagausrüstung. Es können gesamte Logistikkonzepte kundenspezifisch erstellt werden. Um diesen Zustand weiter beibehalten zu können, müssen gute infrastrukturelle Rahmenbedingungen gegeben sein, sowohl innerhalb des Hafens als auch der Zugang zum Hafen via Ems, Straße oder Gleisanlagen. Auch in Papenburg ist die Verschlickung des Hafenbeckens ein zentrales Thema, das nachhaltig gelöst werden muss.

Oldenburg wartet auf Wendestelle

Die Umschlagzahlen in Oldenburg trösten nicht über eine Baustelle hinweg, die in die Schlagzeilen geraten ist. Die bis April 2019 geplante Fertigstellung des Wendebeckens im Hafenbereich verzögert sich – wohl auf unbestimmte Zeit. Grund dafür sind Probleme an den Spundwänden. An der 300m langen neuen Uferwand wurden bislang bereits 55 sogenannte Schlosssprengungen festgestellt. Derzeit gehen Gutachter den Ursachen nach. Für die Wirtschaft ist das ärgerlich: »Im Grunde warten wir seit zehn Jahren auf die Wendestelle und die Befahrbarkeit. Die Dalben werden jetzt gezogen, das heißt, es geht voran. Aber wir sollten das spätestens in diesem Jahr nutzen können, nun geht uns vermutlich ein weiteres Jahr verloren. Seit Jahren erzählen wir unseren Kunden, ihr könnt demnächst mit 3.000 oder 4.000t kommen«, sagt Nico Steudel, Chef von Rhein-Umschlag. Heute ist lediglich Platz für 85m lange Schiffe.

Etwas weiter westlich kommen vom C-Port in Friesoythe vorsichtig optimistische Töne. Geschäftsführer Arno Djuren kann sich über einige erfolgreiche Ansiedlungen freuen, auch, wenn sie nicht direkt an der Hafenkante erfolgen. Die Firma Sela (Sedelsberger Ladungsträger) wird künftig mit Dienstleistungen rund um Ladungsträger wie Europaletten und Gitterboxen sowie Stapelracks und Aufsetzrahmen aktiv sein. Neu ist auch das auf Schuhe in Übergrößen spezialisierte Unternehmen Schuhplus aus Dörverden richtet sich mit einem Logistikzentrum und integriertem Einzelhandel hier ein.

In Dörpen, freut man sich über die Zusage zum Ausbau der Schleuse und des Küstenkanals. Zudem ist Peter Fischer, Geschäftsführer GVZ Dörpen, im Bereich Logistikimmobilien auf Wachstumskurs. Nach einer Studie über Verlagerungspotenziale wird ermittelt, welche Anforderungen an entsprechende Immobilien bestehen. Derzeit geht man von etwa 20.000m2 Fläche aus. Zudem zeigte sich Bedarf an einem Servicecenter Holz sowie ein Reparaturcenter für Wechselbrücken und Schweißarbeiten.


Hermann Garrelmann

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