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Gut sechs Jahre ist es her, dass Ben Maelissa von der Danser-Group als Missionar

in Sachen LNG auftrat. Nun ist er sozusagen konvertiert und schaltet um: auf den Biokraftstoff ChangeTL

Es war ein langer Gang durch die Instanzen. Die Rheinkommission musste überzeugt werden, die Zertifizierer mussten Neuland betreten, auch unter Binnenschiffern war die Skepsis groß. Das alles focht Ben Maelissa von der Danser Group nicht an.

Schier unbeirrbar begab er sich auf den Weg, den Koppelverband »Eiger/Nordwand« auf LNG umzurüsten. Der aufwändige Umbau wurde finanziert und Danser galt als Vorreiter einer neuen Ära. Als LNG-Pionier trat Maelissa an, referierte auf Veranstaltungen, argumentierte mit tollen Abgasbilanzen und (gewagten) Renditeberechnungen. Er lobte den flüssigen Kraftstoff als das Heil bringende Mittel auf dem Weg zu einer noch saubereren Binnenschifffahrt. Das war 2014.

Nun, sechs Jahre später, folgt die Kehrtwende. Die Suche nach einer emissionsfreien Binnenschiffflotte geht weiter, von neuen akkubasierten Lösungen wird gesprochen, bis 2050 sollen alle Schiffe abgasfrei auf den Gewässern unterwegs sein. Die Europäische Union verkündet den »Green Deal«, verhängt zuvor aber durch die NRMM-Vorgabe strengste Anforderungen an Schiffsmotoren. Binnenschiffer und Motorenhersteller ächzen unter der Last der Anforderungen, der Wettbewerb um »Stage V«-Motoren und effektivste Technik ist eröffnet.

Plötzlich und immer stärker kommen biobasierte Kraftstoffe ins Blickfeld. Alles, was irgendwie tauglich ist, wird in die Prozesse gespeist, als Ergebnis gibt es beispielsweise ChangeTL. Auch Ben Mae­lissa als ehemaliger LNG-Pionier wurde neugierig. Nach ersten Erfahrungen nimmt er einen Kurswechsel vor. Künftig, so seine Entscheidung, setzt man bei der Danser-Group auf Biokraftstoff.

»Die Wahl von LNG als Übergangsbrennstoff war falsch«, bekennt der Manager in einem Interview. Einmal, weil es noch immer ein fossiler Kraftstoff sei, aber auch, weil es dafür nach wie vor keinen lohnenden Markt gebe. Zudem, so Maelissa, habe man sich auch von der Politik zu LNG verleiten lassen.

Bis es tatsächlich zugelassene emissionsfreie Systeme auf dem Markt gebe, werde man mit ChangeTL einen neuen Zwischenschritt setzen. »Damit können wir einen ›grünen Schritt‹ machen«, sagt Maelissa. Beim Lieferanten FinCo Fuel habe die Transparenz bei den Produktinformationen überzeugt.

Es seien nicht nur Vorteile, sondern auch mögliche Nachteile bei der Verwendung von ChangeTL kommuniziert worden, erklärt der Manager. Man habe sich nach umfangreicher Suche dann dafür entschieden. Ausführliche Testläufe auf einem der Danser-Koppelverbände seien erfolgreich verlaufen.

Einer der beiden Hauptmotoren des Koppelverbandes »Alsace/Hollande« (178m lang, 2×1014 PS Caterpillar, 348TEU in vier Lagen, 3.200t) sei sechs Monate lang mit ChangeTL betrieben worden, der andere mit normalem Diesel. Dadurch habe man die Leistung perfekt vergleichen können. Die Ergebnisse hätte für sich gesprochen: eine CO2-Reduktion von 16% bei 33% weniger Ruß- und Feinstaub sowie 20% weniger an NOx-Emissionen. Zur Zeit laufe auch ein zweiter Koppelverband auf ChangeTL und es sei beabsichtigt, irgendwann die gesamte Flotte von vier Koppelverbänden damit fahren zu lassen.

Man hoffe natürlich, dass der Markt Vertrauen in ein solches Produkt gewinne, damit man auch die Eigner der 90 Charterschiffe zum Umstieg auf diesen Kraftstoff »verführen« könne. Das sei aber nicht so einfach, räumt Maelissa ein. Die Eigner müssten tatsächlich überzeugt sein, das Richtige zu tun und die Vorteile eines Wechsels zu sehen. Danser habe selbst seit der Verwendung von ChangeTL eine CO2-Verringerung von 523.000 kg erzielt. Und weil es ein saubererer Kraftstoff sei, der besser verbrenne, und somit die Motoren weniger belaste, auch in Bezug auf die Wartungsintervalle.

Ein deutlicher Vorteil sei auch, dass die Schiffe nicht umgebaut werden müssten. Eine vollständige Reinigung des Kraftstofftanks und der Leitungen müsse zwar erfolgen und anfangs müssten wohl einige Filter ausgetauscht werden. »Die Investition besteht hauptsächlich in den höheren Kraftstoffkosten«, sagt Maelissa. FinCo habe Danser aber einen Preis angeboten, der sich nur geringfügig von normalem Diesel unterscheide. »Dann sprechen wir nur über ein paar Prozent mehr«, so der Firmenchef.

Rechtliche Unsicherheiten sieht Maelissa nicht: »Das ist alles genehmigt und entspricht europäischen Standards.« Ein neues Abenteuer wie bei der LNG-Mission sei dies für ihn nicht.
Hermann Garrelmann

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