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Die United Rivers AG übernimmt die Sächsische Dampfschiffahrt. Damit bleiben die historische Flotte sowie alle Arbeitsplätze erhalten

Das Bangen hat ein Ende – die älteste Dampfschiffflotte der Welt ist gerettet. Die United Rivers AG aus Basel (Schweiz) übernimmt das angeschlagene Traditionsunternehmen.

»Wir freuen uns, dass wir das Geschäft fortführen können. Und es erfüllt uns mit Stolz, die älteste Dampfschiffflotte der Welt in die Zukunft zu führen«, erklärte Robert Straubhaar, CEO und Mehrheitsaktionär des neuen Eigners United Rivers AG (Basel). Die Sächsische Dampfschifffahrt verfügt über neun zwischen 1879 und 1929 gebaute Raddampfern sowie zwei moderne Fahrgastschiffe.

Wochenlang war um die Zukunft der Sächsischen Dampfschifffahrt (SDG) gerungen worden, nachdem im Juni Insolvenz angemeldet werden musste. Das Land war beteiligt, die Stadt, der Freundeskreis, drei verschiedene Interessenten und natürlich die Belegschaft, die für ihre Arbeitsplätze und den Erhalt des Unternehmens demonstriert hatte. Letztlich machte die United River AG das Rennen, nachdem der Erwerb durch das Bundeskartellamt freigegeben worden war.

»Hauptkriterien für den Zuschlag an die United Rivers AG waren das langfristig erfolgversprechende Konzept, das strategische Know How zur weiteren Entwicklung des Unternehmens sowie der Kaufpreis«, sagt Burkhard Jung, Restrukturierungsexperte und Sanierungsgeschäftsführer (CRO ) der SDG. Über die Modalitäten der Übernahme einschließlich des Kaufpreises wurde zwischen allen Vertragspartnern allerdings Stillschweigen vereinbart.

Das von Straubhaar geführte Unternehmen gilt als ein führendes Unternehmen für Passagierschiffe in der Binnenschifffahrt und ist somit ein Schwergewicht der Branche. Zur betreuten Flotte zählen 100 Passagierschiffe, mit europaweit mehr als 3.000 Mitarbeitern wurde 2019 ein Umsatz von etwa 230 Mio. € erwirtschaftet. Vor vier Jahren war mit der Köln-Düsseldorfer (KD) am Rhein für 5,6 Mio. € ein anderes bedeutendes Unternehmen in Deutschland übernommen worden. Damals wie heute war die Münchner Premicon der Vorbesitzer.

Arbeitsplätze bleiben erhalten

Die River AG plant zunächst eine Sanierung der finanziell angeschlagenen Reederei und verspricht darüber hinaus, sich langfristig zu engagieren. »Für uns ist der Erwerb eine strategische Aufgabe«, so Straubhaar. Die Dresdner Dampfschifffahrt sei auch kulturell etwas ganz Besonderes, weltweit einmalig. »Wir möchten diese Tradition behutsam in die Zukunft überführen«, sagt der CEO des neuen Eigentümers.

Zunächst aber soll sich für die Fahrgäste der SDG nichts ändern, der Betrieb werde unverändert fortgeführt. Bisher läuft die Saison sehr gut, heißt es. Alle Fahrten seien gut gebucht, trotz der Covid19-Beschränkungen seien bereits mehr als 180.000 Tickets verkauft worden. Hinzu kommen Einzelevents und Sonderfahrten, die für zusätzliche Einnahmen sorgen.

Nach Angaben von United River sollen alle Arbeitsplätze erhalten bleiben. Der Betrieb werde künftig in zwei neuen Unternehmen zusammengefasst: Die Weiße Flotte Sachsen GmbH übernimmt alle operativen Aktivitäten der Sächsischen Dampfschiffahrt einschließlich der »Elbezeit GmbH« und ist Eigentümerin der beiden Salonschiffe. Eigentümerin der neun historischen Dampfschiffe wird die »Kulturerbe Dampfschiffe Dresden GmbH«. Dadurch sei gesichert, dass die weltweit älteste Flotte ihrer Art in Sachsen bleibt.

Auch mit der Werft in Laubegast will man nach eigenen Angaben weiter zusammenarbeiten. »Wir brauchen diese Werft vor Ort, dort gibt es kompetente Mitarbeiter, die über geballtes fachliches Wissen verfügen.« Man werde auf jeden Fall in den kommenden Tagen das Gespräch suchen. Werftbesitzer Sven Spielvogel, einer der beiden Geschäftsführer der Richert & Co GmbH, hatte ursprünglich ebenfalls für die Flotte geboten.

In den vergangenen Jahren hatten mehrere Niedrigwasserperioden bei der SDG zu erheblichen Umsatzverlusten geführt. Dann kam die Corona-Pandemie, die die Situation im Unternehmen weiter verschärfte. Corona-Hilfen des Bundes oder des Freistaates Sachsen blieben wegen der finanziellen Schwierigkeiten und aus beihilferechtlichen Gründen aus.

Am 3. Juni musste das Unternehmen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung einleiten. »Unser erklärtes Ziel war es, die Flotte zu erhalten und bis September 2020 eine Gesamtlösung zu finden – und das haben wir geschafft«, erklärte Jung. Das sei nur gelungen, weil alle Beteiligten für den Erhalt der Sächsischen Dampfschiffahrt an einem Strang gezogen hätten. Dafür dankte Jung dem vorläufigen Gläubigerausschuss, dem Sachwalter und der Geschäftsführung. »Ohne sie hätten wir diesen Erfolg nicht erreicht.«

Jetzt kommt auch Unterstützung vom Freistaat Sachsen. Zwar handelt es sich bei der Übernahme durch die United River AG formal um eine rein privatwirtschaftliche Lösung. Aber das Land stellt als Grundstückseigentümer die Anleger am Dresdner Terrassenufer zur Verfügung.

Auch die bisherige Geschäftsführerin Karin Hildebrand ist mit dem Resultat zufrieden. »Die Traditionsflotte gehört wie die Semperoper oder die Frauenkirche zu Dresden und ich bin froh, dass ihre Zukunft gesichert ist.« Nachdem die Sanierung in Eigenverwaltung beendet ist, folgt nun die Abwicklung der bisherigen Firmen.

Für die Sächsische Dampfschiffahrts-GmbH & Co. Conti Elbschiffahrts KG und die Elbezeit GmbH wurden am 1. September reguläre Insolvenzverfahren eröffnet. Frank-Rüdiger Scheffler von der Kanzlei Tiefenbacher Rechtsanwälte (Dresden) wurde vom Amtsgericht als Insolvenverwalter für die SDG bestellt, Nils Freudenberg übernimmt die Aufgabe für die Elbezeit.


Michael Hillmann

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