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Das Projekt ST4W hat zum Ziel, Verlader palletierter Waren von einer Verlagerung des Transports auf die Wasserstraße zu überzeugen – dafür muss die Fracht konsolidiert werden. Es werden noch Projektpartner gesucht

Smart Track 4 Waterway (ST4W) ist ein EU-finanziertes Projekt, das von Interreg NWE initiiert wurde und darauf abzielt, den Güterverkehr auf dem Wasser als Alternative zum Straßentransport attraktiver zu machen. Zur Zielgruppe gehören kleine und mittlere Verlader, die mit dem Transport von Gütern (zum Beispiel palettierte Fracht, Müllcontainer, lose Ware) beschäftigt sind, welche auf Lastkähne verladen oder in Container gestufft werden, um den Wasserweg nutzen zu können. Dazu muss diese Ladung konsolidiert werden. Dies erfordert logistisches Engineering für eine präzise Synchronisation zwischen den Akteuren. Die Universität Duisburg-Essen sucht weitere Partner für ein Pilotprojekt.

Hierfür bietet ST4W eine Managementlösung an, die einen einfachen, sicheren und kostengünstigen Datenzugang ermöglicht und eine gemeinsame Nutzung eines hierarchischen Track & Trace-Service für den Versand sicherstellt. Durch die End-zu-End Verfolgung des Transportvorgangs werden Statusaktualisierungen, Warnungsmeldungen bei Diskrepanzen beziehungsweise aktualisierten Ankunftszeiten und Zustellnachweise gewährleistet. Hierbei spielt Datenschutz eine wichtige Rolle, sodass jeder Partner selbstbestimmend über die Weitergabe seiner Daten entscheidet.

Für eine erfolgreiche Durchführung dieser Pilotversuche stellt das Projektteam Kontakt zu Unternehmen her, die am »Modal Shift« interessiert sind. Die ersten Benutzermitglieder waren belgische Unternehmen verschiedener Branchen. Diese Gruppe erweiterte sich um ein Netzwerk internationaler Binnenwasserstraßenverwaltungen. Aktuell sind Unternehmen verschiedener Länder (Deutschland, Frankreich, den Niederlanden sowie Belgien) beteiligt.

Erste Versuche waren erfolgreich

Ein erster Pilotversuch wurde bereits in Belgien durchgeführt, bei dem ein Mehrstoppschiff bei mehreren Kurzstreckenbetreibern einige Paletten be- und entladen hat. Dabei betrug die Entladezeit 100t pro Stunde – eine vielversprechende Leistung, welche Engpassprobleme sowie Warteschlangen während der Hauptverkehrszeit optimiert. Die Identifikationstools wurden erfolgreich getestet und lieferten als Ergebnis eine gute Synchronisation zwischen Wasserstraßenakteuren und Lieferkettenpartnern, so die Universität Duisburg-Essen. Im Bereich des Bausektors wurde ein weiterer Versuch durchgeführt, bei dem ein Schiff, ausgestattet mit einem Bordkran, Paletten transportierte.

In weiteren Pilotprojekten in Nordwesteuropa soll die Zusammenarbeit der Akteure der Binnenwasserstraßen verbessert und die Attraktivität des Wassertransports in einer multimodalen Lieferkette palettierter Fracht gesteigert werden. Die Förderung einer durchgängigen nahtlosen Zusammenarbeit zwischen Logistikakteuren ist ein wesentliches Ziel des ST4W-Projekts, um die Zahl der Unternehmen zu erhöhen, die von der Straße auf die Wasserstraße wechseln. Aus diesem Grund werden verschiedene langfristig ausgelegte Aktivitäten mit ST4W-Partnern und Benutzergruppen-mitgliedern durchgeführt:

• Mit der »Kosten-Nutzen-Analyse« soll eine Liste der langfristigen Auswirkungen von ST4W-IT-Tools erstellt werden. Basierend auf dieser Analyse wird ein neues Geschäftsmodell für IT-Services eingerichtet.

• Die »regulatorische Analyse« konzentriert sich auf Richtlinien und Verfahren zur Gewährleistung einer ordnungsgemäßen Kontrolle der Informationssicherheit und des Datenschutzes.

• »Verhaltensänderungsmanagement« analysiert das Verhalten bei (ungeplanten) Veränderungen, die während einer vorgelagerten Feldarbeitsanalyse identifiziert wurden: »Wie lassen sich eigenständige Organisationspraktiken durch eine kollaborative Logistik ersetzen?«

Die Ergebnisse werden in Workshops veröffentlicht, die in jeder Region des Projekts organisiert werden. Dies werde mehr Kunden dazu ermutigen, den Wasserstraßentransport (von der mentalen Verschiebung zur Modalverschiebung) zu nutzen und folglich die CO2-Emissionen ihrer Logistikbetriebe zu reduzieren«, so die Lehranstalt.

Das Ziel des Pilotprojekts ist die Umsetzung eines hierarchischen Tracking & Tracing-Service für kleine Interessengruppen als Managementlösung für den Binnenschifffahrtstransport. Entwickelte Tools könnten während der Versuchsphase getestet und validiert werden, heißt es.

Alle im Verbund des Transportprozesses mitwirkenden Partner sollen am Test einbezogen werden. Dazu zählen Hersteller, Versender, Empfänger, ein Schiffseigner mit einem oder mehreren Schiffen, ein Straßentransporter sowie ein Lastwagenfahrer. Darüber hinaus gilt es, auch einen Planer zur Transportorganisierung teilnehmen zu lassen.

Die Dauer des Pilotprojekts beträgt drei bis vier Monate im zweiten Halbjahr 2020. Das Budget wird auf 15.000€ prognostiziert. Zur Vereinbarung gehört die kostenfreie Bereitstellung von Daten zwischen Dritten innerhalb des Projekts.

Die Pilotphase sieht keine Verbindung mit den Informationssystemen der Nutzerunternehmen vor. Bereitgestellt wer-den Tracking-Geräte sowie der Zugriff auf Projektschnittstellen. Um das Pilotprojekt einzurichten, werden vorbereitende Sitzungen innerhalb des betreffenden Unternehmens abgehalten. Vor der Testphase werden Benutzerschulungen organisiert. Während des Pilotprojekts wird Zeit zur Testung der Werkzeuge eingeplant sowie nach Beendigung der Tests, um die Ergebnisse zu analysieren.

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