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Das Polizeipräsidium Duisburg erneuert die Flotte der Wasserschutzpolizei. Eingesetzt werden die neuen Schiffe auf dem Rhein sowie im westdeutschen Kanalnetz. Jüngst wurde die zweite Einheit in Münster am Dortmund-Ems-Kanal (DEK) übergeben

Im vergangenen Jahr hat das Flottenerneuerungsprogramm der Duisburger mit der Ablieferung der »WSP 12«, begonnen, die auf dem Rhein im Einsatz ist und auf der Messe »boot 2020« in Düsseldorf übergeben worden war. Die neue Serie besteht aus insgesamt vier Einheiten, je zwei Kanal- und zwei Rheinbooten. Mit 17,30m in der Länge und 4,40m in der Breite sind die auf dem Fluss eingesetzte »WSP 12« und ihre noch namenlose Schwester etwas größer als die Kanalschiffe.

Die auf dem DEK zum Einsatz kommende »WSP 15« ist 13,80m lang, 4m breit und hat einen Tiefgang von bis zu 1,10m. Alle Schiffe werden auf der Werft Siemer Jachtservice Hunte-Ems in Barßel-Reekenfeld hergestellt. Die Kaskos werden von Yachtservice Benjamins gefertigt und nach ihrer Fertigstellung zur Bauwerft verbracht, die für den Innenausbau zuständig ist.

Die Neubauten werden komplett aus Aluminium gefertigt und mit Farben von International Paint mit Sitz in Hamburg bestrichen. Für eine bessere Erkennbarkeit sorgt eine Folierung im neuen Neondesign sowie eine reflektierende Folie am Rumpf.

»Der Auftrag zum Bau der Viererserie für die Wasserschutzpolizei NRW ist ein großer Schritt für uns«, sagt Alexander Siemer, Geschäftsführer von Siemer Jachtservice Hunte-Ems. Seit nunmehr zwölf Jahren ist sein Unternehmen im Behördenschiffbau tätig, die meisten Neubauten wurden bisher nach Hessen und Bayern geliefert.

Die »WSP 15« ist das zweite Schiff der Serie und gleichzeitig das erste Kanalboot. Anfang Dezember hat es seinen Dienst aufgenommen. Stationiert ist es am Dortmund-Ems-Kanal (DEK) in Münster, wo wenige Wochen zuvor auch die Taufe erfolgt war.

Den Antrieb leisten zwei FPT-Iveco-N67-ENT-Motoren, die die Bestimmungen der EU Stufe 4 erfüllen und die jeweils eine Leistung von 254kW erbringen. Sie sind explosionsgeschützt, bleiben also auch lauffähig, selbst wenn sie kein Gas mehr annehmen. Geliefert wurden sie von Sauer & Sohn, dem Vertriebspartner des Motorenherstellers. Die Wellendichtung stammt von ProfiSeal. In diesen Fall wurde das Gehäuse aus Aluminium gefertigt, um einen Potenzialaufbau zwischen Abdichtung und schiffbaulichem Stevenrohr zu vermeiden, so der Hersteller. Um vor Gasausstoß gewappnet zu sein, hat Dräger eine Infrarot-Gasmessanlage bereitgestellt.

Anders als bei ihren Vorgängern handelt es sich bei der neuen Viererserie um Doppelschrauber. Die Ruderanlage, eine Eigenentwicklung der Werft, wird über ein System von EBF gesteuert. Damit die dreiköpfige Crew auf der Brücke stets einen störungsfreien Durchblick zu den Seiten, nach vorn und achtern hat, wurden Fenster der Firma Alulux aus Grevenbroich installiert. Es handelt sich um thermisch getrennte Thermopanefenster, die vor dem Beschlagen schützen sollen und die die Feuchtigkeit nicht nach Innen weitergeben. Das Glas stammt aus dem Hause Vetrotech Saint Gobain. An der Frontscheibe ist ein Scheibenwischer von DeccaWiper angebracht, der aus einem Wischerblatt besteht, mit dem in Parallelrichtung die komplette Scheibe erreicht wird.

Eine Klimaanlage von Webasto sorgt dafür, dass auf der Brücke stets die gewünschte Temperatur herrscht. Für einen angenehmen Sitzkomfort wurde ein Steuerhausstuhl mit Hubsäule von Gerpol Sitzsysteme gewählt.

Auf der Brücke ist zudem der Precisions Navigator II eingebaut, ein multifunktionales Flussradargerät aus dem Hause Swiss Radar. Es kombiniert Radar, ECDIS-Karte und AIS in einem kompakten Gerät. Victron Engergy sorgt für die nötige Energiezufuhr auf dem Schiff, das auch über einen Landstromanschluss verfügt.

Auf dem Dach ist eine Infrarot-Wärmebildkamera von Flir angebracht sowie ein Suchschweinwerfer des Herstellers Sanshin. Auf dem Vordeck befindet sich eine Ankerwinde von Lofrans› Windlasses, die vom niederländischen Händler Allpa Marine Equipment bezogen wurde.

Bevor die alarmgesicherte »WSP 15« in Betrieb gegangen ist, stand die Schulung der Crew an. Die Schiffe seien größer ausgefallen als geplant, sagt Polizeihauptkommissar Helmut Lemme, der für das Sachgebiet Bootstechnik und Nautik zuständig ist. Hauptgrund seien arbeitsrechtliche Dinge, wie beispielsweise die Gangbordbreite.

Flottenmodernisierung geht weiter

Im März kommenden Jahres ist die Ablieferung des zweiten Rheinbootes aus der Viererserie geplant, um den Jahreswechsel 2021/2022 soll das zweite Kanalboot folgen, das in Datteln stationiert werden wird, wie Lemme verrät.

Zu einem späteren Zeitpunkt sollen weitere sechs Schiffe ausgeschrieben werden. Mit den dann insgesamt zehn neuen Einheiten treibt die Polizei in Nordrhein-Westfalen die Flottenmodernisierung voran. Die Neubauten ersetzen allesamt ältere Boote. Nach Aussage Lemmes wurden die Kanalschiffe allesamt zwischen 1985 und 1990 gebaut und die Rheinboote um die 1990er-Jahre. Sie hätten so langsam ihre Lebensdauer erreicht und seien nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik.


Thomas Wägener

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