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Mit der Investition im Rhein-Lippe-Hafen in Wesel hat sich Hegmann Transit vom Land ans Wasser gewagt. Das Risiko hat sich gelohnt: Am Schwerlast-Terminal werden heute die schwersten Güter gelagert, verladen und über den Rhein abtransportiert. Von Krischan Förster

Die Investitionsentscheidung für Wesel liegt nun schon sieben Jahre zurück, und sie hat sich als Glücksgriff entpuppt. Denn nach einigen Verzögerungen zu Beginn läuft der Schwerlastbetrieb im Rhein-Lippe-Hafen inzwischen überaus erfolgreich, berichtet David Tietz, Prokurist bei Hegmann Transit und Geschäftsführer in Wesel. Selbst die Corona-Krise mit all ihren Auswirkungen auf die Wirtschaft konnte trotz Einbußen im Transportbereich gut abgewettert werden.

Hegmann Transit aus Sonsbeck hatte einen zweistelligen Millionenbetrag investiert, um auf einem rund 45.000 m² großen Areal eine große Halle für die Zwischenlagerung von Schwerlasten wie Kabeltrommeln, Segmente von Krananlagen und andere schwere Güter und Projektladungen zu errichten. Doch erst 2017, nachdem die Hafengesellschaft DeltaPort eine feste Kaimauer errichtet hatte, konnte der wasserseitige Umschlag richtig starten. »Das hat anfangs viel Zeit und Geld gekostet«, sagt Tietz. Doch schließlich konnte Hegmann Transit eine Angebotslücke schließen und ein Terminal mit Wasseranschluss ins Portfolio übernehmen.

In Wesel können sowohl Binnen- als auch Küstenmotorschiffe abgefertigt werden, dafür stehen nicht nur eine über den Rhein hinausragende Kranbahn mit einer Hakenhöhe von 15 m, sondern auch 15.000 m² an überdachter Lagerfläche sowie weitere 30.000 m² als Freilager zur Verfügung. Von hier aus können Stückgewichte von bis zu 160 t per Schwergut-Umschlag direkt aufs Schiff verladen werden. Auch Seefracht kann laut Tietz problemlos umgeschlagen, gelagert und kommissioniert werden. »Von Wesel in die Welt«, ist zum neuen Motto geworden.

Von Land ans Wasser

Das Sonsbecker Familienunternehmen mit rund 70 Mitarbeitern, das im vergangenen Jahr 100 Jahre alt geworden ist und das heute von David Tietz und seinem Vater Georg gemeinsam geleitet wird, hat seine Wurzeln an Land, im Speditionsgeschäft. Der Fuhrpark zählt mehr als 120 moderne Fahrzeuge, mit denen große, sperrige und schwergewichtige Güter transportiert werden. Weil es aber immer schwieriger wird, solche Sondertransporte über die Straße abzuwickeln oder dafür eine Genehmigung zu bekommen und solche Projekte auch immer zeitkritischer werden, fiel die Entscheidung, in Wesel zusätzlich eine wassergebundene Logistik und zusätzliche Lagerkapazitäten aufzubauen. »Das war für uns ein großer Schritt«, sagt Tietz.

Das Ziel lautet damals wie heute, einen möglichst großen Teil der Wertschöpfungskette bis zur »letzten Meile« abzubilden und den Kunden möglichst eine Lösung »aus einer Hand« anzubieten. »Wir haben für alle Transportlösungen das passende Know-how entweder direkt im Haus oder arbeiten schon seit vielen Jahren mit leistungsstarken und bewährten Partnern für das See- und Luftfrachtgeschäft zusammen«, so Tietz.

So finden diverse Schwer- und Projektgüter mit Hegmanns Hilfe ihren Weg von den Herstellern aus allen Teilen Deutschlands und den südlichen Nachbarländern aus ganz verschiedenen Industriesektoren in die Seehäfen an der Nordseeküste und weiter an ihre eigentlichen Zielorte nicht nur in Europa, sondern auch in Übersee wie etwa Russland oder die USA. Das betrifft Windkraftanlagen, Heizkessel, Kranteile, Turbinen oder Anlagenkomponenten, mit Einzelgewichten von 150 t und mehr. Hegmann kooperiert mit führenden Binnenschiffsreedereien, »wir sind aber nicht festgelegt«, betont Tietz.

Am Anleger in Wesel können auch größere Kümos (See-Binnen-Schiffe) anlegen und die Ladung auch direkt bis nach Irland, England oder nach Skandinavien bringen. »Gerade der Brexit und der daraus erwachsene größere Bedarf hat uns gutes Geschäft beschert«, sagt Tietz.

Hegmann Transit begreift sich nach seinen Angaben aber schon längst nicht mehr nur als trimodaler Transporteur und Umschlagbetrieb. »Für viele Kunden übernehmen wir nicht nur die Lagerung, sondern auch die Montage oder andere Veredelungsarbeiten in Wesel«, berichtet der Prokurist. Oder schlichtweg als Dienstleister, der Kunden seine Infrastruktur zur Verfügung stellt. So wurde gerade ein riesiger, 100 m langer und 2.400 t schwerer Schwimmponton, der als sogenannter »Jetty« im Ölhäfen von Köln-Godorf dienen soll, direkt am Kai im Wasser komplett montiert. Erst kürzlich ging es mit Schlepperhilfe rheinaufwärts zum Bestimmungsort (siehe S. 42 in dieser Ausgabe).

Auch das Lagergeschäft ist ein wichtiges Standbein, das laut Tietz auch unter Corona-Einschränkungen sehr stabil geblieben ist. In diesem Segment investiert Hegmann jetzt angesichts eines steigenden Bedarfs ein weiteres Mal, allerdings am Stammsitz Sonsbeck, wo eine neue Halle für Stückgüter bis 10 t Gewicht gebaut werden soll. Die ganz schweren Komponenten laufen weiter über den Rhein-Standort Wesel mit einer Tandem-Krankapazität von 300 t. »Wir sind sehr froh, dass wir hier dieses Potenzial für unser Unternehmen heben können«, sagt Tietz.





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