Ausfall und Störanfälligkeit von Schleusen machen der Binnenschifffahrt das Leben schwer

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Es ist noch nicht lange her, dass die neue Weserschleuse Minden mit einer großen Feier für den Verkehr freigegeben wurde. Am 18. August 2017 sprach Staatssekretär Enak Ferlemann von einem wichtigen Tag für Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen.

»Ab heute heißt es: Freie Fahrt für Transporte auf modernen Großmotorgüterschiffen von Bremen bis zum zukünftigen RegioPort Weser und den anderen Häfen am Mittellandkanal. Damit unterstützen wir die Entwicklung des Containerverkehrs auf der Mittelweser nachhaltig.«

Mit der Nachhaltigkeit war es am 7. November 2017 leider fürs erste vorbei, als ein Frachtschiff aufgrund einer technischen Störung in der ohnehin störanfälligen Schleuse Dörverden eingeschlossen wurde. Seitdem ist die Schleuse zunächst bis zum 31. Januar 2018 gesperrt. Viele befürchten, dass es damit nicht getan sein und dass das Tor weiterhin störanfällig bleiben wird.

Die Schleuse Dörverden ist seit ihrer Fertigstellung 2013 störanfällig und es gelingt offensichtlich nicht, sie so instand zu setzen, dass sie reibungslos funktioniert, wie man es von einer neu gebauten Schleuse erwarten sollte.

Es muss eine Lösung gefunden werden, die sicherstellt, dass die Schleuse dauerhaft betriebssicher laufen kann. Mit dem derzeitigen unsicheren Zustand kann die Schifffahrt nicht planen. Die alte kleine Schleuse, die eigentlich nur als Reserve zur Verfügung stehen sollte, funktioniert im Augenblick noch gut, wird aber aufgrund des hohen Alters einen Dauerbetrieb sicher auch nicht ohne Probleme verkraften. Es darf nicht sein, dass auf dieser wichtigen Strecke das nächste Nadelöhr entsteht und damit die feierliche Verkehrsfreigabe der neuen Weserschleuse Minden für Großmotorgüterschiffe der Kategorie Schildbürgerstreich zugeordnet werden müsste.

Da dies kein Einzelfall ist, sondern Störungen und Ausfälle auf nahezu allen Wasserstraßen der Republik an der Tagesordnung sind, ist es kein Wunder, dass die Beschwerden unserer Mitglieder über den Zustand der Wasserstraßen­infrastruktur immer weiter zunehmen. Die Liste der gesperrten oder häufig gestörten Schleusen wird leider immer länger und die finanziellen Folgen hat die Schifffahrt alleine zu tragen, ganz abgesehen von der Gefahr der Verlagerung von Gütern auf die anderen Verkehrsträger, weil die Zuverlässigkeit, eines der wichtigsten Argumente für den Binnenschiffstransport, immer mehr leidet.

Die Beschwerde eines unserer Mitgliedsunternehmen über zahlreiche Hindernisse und damit verbundene Zeitverzögerungen hat der BDS zum Anlass genommen, an den Präsidenten der GDWS und den zuständigen Abteilungsleiter im BMVI zu schreiben und anzuregen, im kommenden Jahr das Thema Instandsetzung der Schleusen mit den Verbänden und Unternehmen aus der Praxis zu erörtern und nach Lösungen zu suchen, um die Situation nachhaltig zu verbessern. Und mit »nachhaltig« ist in diesem Fall der Wortbedeutung entsprechend gemeint, dass sich die Maßnahmen auf einen längeren Zeitraum auswirken sollen. So kann es jedenfalls nicht weitergehen.

Reise von Aken nach Antwerpen

Besagtes Mitgliedsunternehmen hat uns einmal die Hindernisse aufgelistet, die bei einem seiner Transporte von Aken/Elbe nach Antwerpen zu überwinden waren:

Zunächst Wartezeiten an der Schleuse Rothensee. Das alte Hebewerk kann bei Rangbildung nicht ergänzend eingesetzt werden weil es dem Bund nicht mehr gehört.An der Schleuse Sülfeld ist seit einem halben Jahr eine Kammer außer Betrieb, ohnedass Reparaturarbeiten ersichtlich sind.

An der Schleuse Anderten war ebenfalls eine Kammer seit längerem außer Betrieb und wird Anfang 2018 erneut außer Betrieb gehen. Ähnliches an der Schleuse Münster, wo eine Kammer wegen Garantieleistungen außerBetrieb war ohne dass die alte Kammer zumindest mit Einschränkungen in Betriebgenommen wurde.

Über die Schleusen im Wesel-Datteln-Kanal (WDK), die als nächstes zu passieren waren, möchte man schon gar nichts mehr sagen. Überall eine Kammer gesperrt oder wegen Personalmangels außer Betrieb. Das Schreiben des WSA Duisburg-Meiderich betreffend die Sperrung der Nischenpoller in den großen Schleusen vom 29. November 2017 spricht für sich. Mit einigermaßen forschen Worten wird hier die Situation dargestellt und die Untersagung der Nutzung der Nischenpoller angekündigt. Weiter heißt es:

»Die Sicherheit des Schiffsverkehrs der Schleusen am WDK kann mit den vorhandenen Nischenpollern nicht mehr gewährleistet werden. Um dieses zu erreichen, müssten die Nischenpoller ersetzt werden. Der Aufwand für den Ersatz bzw. die Sanierung ist sehr umfangreich und kann mit dem vorhandenen Personal nicht durchgeführt werden. Leider ist es bisher nicht gelungen entsprechende zusätzliche Personalkapazitäten bereitzustellen. Es ist somit davon auszugehen, dass eine Sanierung der Nischenpoller in absehbarer Zeit nicht erfolgen wird.«

In einer Pressemitteilung vom 19. Dezember 2017 wurde dann etwas zurückgerudert. Dort heißt es am Ende: »Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Duiburg-Meiderich hat den Ersatz der Nischenpoller bereits in seine Programmplanung mit aufgenommen«.

Insgesamt summierte sich auf der genannten Reise – es fehlte noch Herne Ost, wo ebenfalls eine Kammer auf unbestimmte Zeit außer Betrieb ist – die Wartezeit an den Schleusen auf eineinhalb Tage. Um Löschtermine überhaupt halten zu können, musste nachts gefahren und dafür zusätzliches Personal an Bord geholt werden, was mit hohen Kosten verbunden ist.

Mit diesen Verhältnissen sind alle Unternehmen der Binnenschifffahrt täglich konfrontiert und das Unverständnis wächst. Die Planung und Umsetzung von Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten, sowohl hinsichtlich der Qualität als auch hinsichtlich der zeitlichen Dauer sowie die Personalpolitik lösen bei vielen Schifffahrtstreibenden nur noch Kopfschütteln aus. Es muss etwas passieren, um die Wettbewerbsfähigkeit der Binnenschifffahrt nicht weiter in Gefahr zu bringen!

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