Fähre, Baltic Workboats
Die »Marnix Van Sint-Aldegonde« kommt auf der Schelde zum Einsatz (© Baltic Workboats)
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Baltic Workboats Shipyard aus Estland fertigt eine neue Fähre, die im Hafengebiet von Antwerpen zum Einsatz kommen soll. Zudem lässt die flämische Regierung zwei weitere Elektroschiffe bauen. Von Thomas Wägener

Als »Ferry 30 Cat« wird das Design für die neue Fähre der estnischen Baltic Workboats Shipyard bezeichnet, die nach Fertigstellung im Hafen Antwerpen verkehren soll. Das Schiff erhält den Namen »Marnix Van Sint-Aldegonde« und ersetzt die »Simon Stevin«. Ende Juli vergangenen Jahres wurde der Neubau zu Wasser gelassen. Die Inbetriebnahme soll in Kürze erfolgen, heißt es bei Vloot, der Schifffahrtsgesellschaft der flämischen Regierung und Eigner der Fähre.

Der neue Katamaran ist 30 m lang, 9,50 m breit und hat einen Tiefgang von bis zu 2,50 m. Der Doppelrumpf soll für einen stabilen Kurs und eine gute Manövrierfähigkeit sorgen. An Bord haben bis zu 200 Personen Platz, zudem gibt es Stellplätze für 75 Fahrräder oder Mopeds. Die Crew besteht aus drei Personen.

Der Neubau ist mit zwei unabhängigen Antriebseinheiten ausgestattet. Die Leistung wird von den D13-Hauptmotoren von Volvo Penta über ein ZF-Getriebe auf die Wellenleitungen und den FPP-Propeller übertragen. Die Antriebskonfiguration ermöglicht es nach Angaben der Esten auch, im Notfall mit nur einem Motor in Richtung eines sicheren Hafens zu fahren.

»Das bedeutet, dass die Schmierung der Wellenleitung und des Getriebes gewährleistet ist, da sich diese im Kielwasser des Schiffes drehen«, teilt Baltic Workboats mit. Die Maschinenräume seien geräumig genug, um den einfachen Zugang rund um die Antriebsmotoren, die Peripheriegeräte, Filter und alle erforderlichen Pumpen zu ermöglichen.

Auf dem Dach der Fähre befinden sich Solarpaneele, die als Basis für die Stromversorgung an Bord dienen sollen. Der Rumpf und die Aufbauten des Schiffes, das eine Höchstgeschwindigkeit von 18 km/h erreicht, sind aus Aluminium gefertigt. Der Tank hat ein Fassungsvermögen von 13,6 l. Die Größe der Frischwassertanks ist mit 5 t angegeben, die der Brackwassertanks mit 3 t und die der Ballastwassertanks mit 18,4 t.

Die Fähre ist als +100A1 SSC Passenger Catamaran Zone 2, LMC, UMS klassifiziert und soll für Überfahrten auf der Schelde von Sint nach Anna, Kruibeke nach Hoboken oder Bazel nach Hemiksem eingesetzt werden.

Bei dem sogenannten Model »Ferry 22 Electric« handelt es sich um eine neue vollelektrische Aluminiumfähre. Das 23 m lange, 6,50 m breite, maximal 1,20 m tiefgehende und ebenfalls von Vloot bei Baltic Workboats in Auftrag gegebene Schiff kann bis zu 100 Personen befördern. Im Vergleich zu den übrigen drei Fähren des Unternehmens, die an der Küste verkehren, bedeutet das eine Verdopplung der Kapazität. An Bord der »Raveel Ontmoet Ensor« gibt es 40 Sitzplätze, fünf Plätze für Rollstühle sowie 40 Abstellmöglichkeiten für Fahrräder oder Mopeds. Für Vloot ist das Projekt eine Premiere, denn es ist das erste vollelektrische Schiff, dass die Schifffahrtsgesellschaft in Betrieb nimmt.

Das elektrische Antriebssystem wird von einem System von Danfoss Editron ge­steuert und ist in ein Automati­sie­rungs­system zum Auslesen und Steuern von Daten integriert. Es sei nur halb so groß wie ein herkömmliches diesel-elektrisches Antriebssystem, da es aus kleineren, hocheffizienten und leichten Elektromotoren bestehe, so die Werft. Im Notfall könne es mit einem Dieselaggregat betrieben werden. Der Generator könne auch genutzt werden, um die Batterien von Corvus Energy aufzuladen, falls keine Landstromversorgung oder automatische Aufladung verfügbar ist.

Nach Auskunft der Bauwerft kann im Fall eines Ausfalls automatisch vom Batterie-Energiespeicher auf ein Notstromaggregat umgeschaltet werden. Im Heckbereich befindet sich ein Außenbordmotor für den Notbetrieb.

Das Schiff wird über ein automatisches Ladegerät versorgt. Die Ladesäule und der Stromabnehmer sind an Land auf einem Schwimmponton installiert. Die Elektrofähre ist über Festmacherleinen gesichert. Mit Hilfe eines automatischen Positionierungssystems wird das Schiff während des Ladevorgangs in Position gehalten, heißt es weiter.

Zusätzlich ist die Fähre mit Solarzellen ausgestattet, die die elektrischen Systeme an Bord mit Strom versorgen. Für einen optimalen Wirkungsgrad seien die Paneele über einen Mikrokonverter mit dem System verbunden, so Baltic Workboats. Sie befinden sich auf einem offenen Dachabschnitt, um eine einfache Rei­nigung zu ermöglichen. Die Paneele bestehen aus seewasserbeständigem, schmutz- und wasserabweisendem Glas. Nach Angaben des Unterneh­mens liefern die Solarmodule ausrei­chend Energie, um den gesamten Energiebedarf des Schiffes mit Ausnahme des Antriebssystems zu decken.

Der Neubau hat eine Höchstgeschwin­digkeit von 16 km/h und kann dauerhaft mit 14 km/h fahren. Er wird mit einer zweiköpfigen Besatzung betrieben und soll demnächst im Fährdienst in Ostende eingesetzt werden.

Zusätzlich zu der »Raveel Ontmoet Ensor« plant Vloot eine weitere Elektro­fähre. Sie soll die »De Schelde« ersetzen, die derzeit den Dienst der Sint Annaveer in Antwerpen verrichtet, einem kostenlosen Fährdienst, der seit 2017 das linke Ufer der Schelde mit dem Stadtzentrum von Antwerpen verbindet.

Das Design des Schiffes steht nach Auskunft der Schifffahrtsgesellschaft noch nicht final fest. Ein weiterer Katamaran sei eine Überlegung, dennoch könnte es auch mit nur einem Rumpf ausgestattet werden. Eine Länge von bis zu 35 m sei im Gespräch, heißt es. Das Schiff soll mit Batterien oder Superkondensatoren betrieben werden, um eine Betriebszeit von bis zu drei Stunden zu erreichen, bei einer Geschwindigkeit von 14 km/h. Die Elektrofähre soll hauptsächlich nachts aufgeladen werden. Das noch namenlose Schiff wird voraussichtlich bis Ende 2022 in Betrieb genommen.

 

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